Motiv am Archaikweg bei Stilfs |
Der 'Archaikweg' zwischen Prad und Stilfs ist ein Abschnitt des historischen Urweges der Alpenüberquerung über das Stilfser Joch. Der als 'Wormisionssteig' bezeichnete frühgeschichtliche Handelsweg zwischen dem lombardischen Ort Bormio und dem Vinschgau lässt sich bis in die Bronzezeit zurückerfolgen und hatte noch zur Römerzeit strategische Bedeutung zur Absicherung der 'Via Claudia Augusta' im Vinschgau. Namensgebend für den Weg ist der Ort Bormio, dessen historischer deutscher Name 'Worms' ist. Diesem Weg wollen wir bis zur Ortschaft Stilfs folgen, um von dort auf dem näher am Talgrund verlaufenden 'Algumser Bergwaal' zurück nach Prad zu gehen. Bevor wir die Wanderung starten, bringt uns ein Abstecher zur Burgruine Lichtenberg, deren imposante Front wir seit mehr als zwei Wochen nur aus der Ferne wahrgenommen haben.
Link: Fotoserie unserer Wanderung vom 19.07.2012
Burgruine Lichtenberg
Burgruine Lichtenberg über der Ortschaft Lichtenberg |
Bis zum Beginn des 16. Jh. werden verschiedene Geschlechter mit der Burg Lichtenberg belehnt. 1496 wird Pankraz Khuen Rat des Kaisers Maximilian I. und bewährt sich als Hauptmann des Nons- und Sulztales. Inzwischen zum Deutschen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt, belehnt Maximilian I. Pankraz Khuen 1513 mit Lichtenberg. Für mehr als drei Jahrhunderte wird die Burg zum Hauptsitz der Familie Khuen-Belasi. Ein Spross der Familie, Johann Jakob, regiert von 1560 - 1586 als Erzbischof zu Salzburg und veranlasst einen großzügigen Ausbau der Burg Lichtenberg. Kaiser Ferdinand II. erhebt 1630 das gesamte Geschlecht in den Grafenstand.
Im Besitz dieser Familie, die in mehreren Linien fortbesteht, befindet sich die Burg noch immer, sie ist aber seit dem 19. Jh. nicht mehr bewohnt und dem Verfall preisgegeben. Möglicherweise hat der Habsburger Kaiser Jospeph II. diese Entwicklung ausgelöst. Von Joseph II. gingen zahlreiche Reformen aus, die u. a. der Haushaltskonsolidierung dienten. Joseph II. war ein durchaus gebildeter und aufgeklärter Monarch, der viele kreative, aber auch kuriose Entscheidungen traf, die oft nicht zu Ende gedacht waren und an der Umsetzung scheiterten. Ende des 18. Jahrhunderts führte Joseph II. eine Form der Vermögenssteuer als 'Dachsteuer' ein, deren Höhe auf Basis der Dachfläche berechnet wurde. Daraufhin wurden in Österreich viele Burgen und andere Gebäude aufgegeben und abgedeckt, um Geld zu sparen.
Burgruine Lichtenberg |
Mit der Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe setzten ab 1980 erste Versuche zur Rettung der Burgruine ein. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte sich 1993 ein Kuratorium Schloss Lichtenberg mit dem Ziel konstituieren, die Burgruine Lichtenberg zu erhalten, zu sanieren und vor dem Verfall zu retten. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Schloss für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Wann das der Fall sein wird oder soll, konnten wir nicht ermitteln. Tatsächlich waren bei unserem Besuch Hangsicherungsarbeiten zu erkennen, die eine Wiederherstellung des ehemaligen Schlossweges ermöglichen sollen. Insgesamt scheinen die Sanierungsarbeiten jedoch nur auf 'Sparflamme' zu laufen. Link: Webseite des Kuratoriums Schloss Lichtenberg
Wanderung auf dem Archaikweg von Prad nach Stilfs
Motiv am Archaikweg |
Hinweis auf den Nationalpark Stilfser Joch |
Link: Webseite des Nationalparks Stilfser Joch
Blick auf Suldenbach, Stilfs und Ortler |
Obwohl er es verdient hätte, scheint der Archaikweg nicht besonders populär zu sein, denn wir treffen nur wenige Wanderer. Uns ist das durchaus recht. Wir schätzen die 'meditative Einkehr' die sich bei nicht allzu großen Anforderungen auf längeren Wanderungen nur einstellen kann, wenn nicht laufend Störungen auftreten.
Picknickplatz am Kaschlin |
Zwei Picknickplätze laden zu einer Pause ein. Wir sind bereits seit 1:45 Stunden unterwegs und nehmen diese Einladung gerne an, ehe wir in 20 Gehminuten nach Stilfs absteigen.
Dorfstraße in Stilfs |
Technische Daten:
- Gesamtgehzeit bis zum Anschlussweg unterhalb von Stilfs: 2:30 Stunden
- Absoluter Höhenunterschied: 541 m
- Anstieg- und Abstiegsleistung: ca. 600 m - 700 m (Schätzung), überwiegend aufsteigend
- Technische Anforderungen: leicht
- Konditionelle Anforderungen: mittel
- Wegmarkierungen: gut
- Anmerkung: Der Weg verläuft durch steinschlaggefährdete Zonen und ist darum wetterabhängig.
Rückweg von Stilfs nach Prad über den Algumser Waalweg
Wegkreuzung bei Stilfs |
Während der ersten 30 Minuten verläuft der profilierte Weg nicht wahllos, aber waallos. Dann erreichen wir einen typischen Waalweg, ohne einen Waal zu sichten. Dieser verläuft nämlich in vergrabenen Pipelines, die in einigen Stellen sichtbar werden.
Motiv am Algumser Waalweg |
Der Algumser Waalweg bietet keine besonderen Höhepunkte und ist im Vergleich zum Archaikweg eher langweilig. Als Rückweg bietet er jedoch eine akzeptable Option.
Oberhalb des Weilers Gargitz trifft der Algumser Waalweg auf den Archaikweg. Wenige Minuten später erreichen wir unseren Startpunkt in Prad nach 1,5 Stunden Gehzeit auf dem Rückweg.
Technische Daten:
- Gesamtgehzeit von Stilfs bis Prad: 1:30 Stunden
- Absoluter Höhenunterschied: ca. 240 m
- Anstieg- und Abstiegsleistung: ca. 300 m - 400 m (Schätzung), überwiegend absteigend
- Technische Anforderungen: leicht
- Konditionelle Anforderungen: keine
- Wegmarkierungen: exzellent
- Anmerkung: Der Weg verläuft durch steinschlaggefährdete Zonen und ist darum wetterabhängig.
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