Mittwoch, 25. Juli 2012

Südtirol 2012 - Wanderung am Naturnser ‚Regenberg’

Blick auf Juval mit Schloß und Schloßwirt vom Sonnenberg
Gemäß touristischem Marketing dürfen wir im ‚Wanderparadies am Naturnser Sonnenberg’ den ‚Traum eines jeden Wanderers’ erwarten. Unsere Träume weichen offensichtlich von diesen vollmundigen Ankündigungen ab.
Obwohl die Wetterprognose ab Montag vorerst stabiles Bergwetter ankündigt, erweist sich das ‚Wanderparadies am Naturnser Sonnenberg’ als eine nicht gerade paradiesische Wanderung am ‚Naturnser Regenberg’. Die Wetterprognose hält nämlich ihr Versprechen nur bis zum Abend des folgenden Tages. Dann geht es so unsicher weiter wie in den beiden vorangegangen Wochen. In diesem Jahr treffen wir auf eine ungünstige Wetterlage, wie wir sie in fast dreißig Jahren nur selten und in ihrer Dauer noch nie angetroffen haben.




Übersicht des Wandergebietes am Naturnser Sonnenberg
Die Wettergestaltung liegt selbstverständlich nicht in der Verantwortung des touristischen Marketings, dem darum nicht vorzuwerfen ist, wenn der ‚Naturnser Sonnenberg’ heute seinem Namen nicht gerecht wird. Unser Unverständnis betrifft die Frage, warum ein derart attraktives und beliebtes Wandergebiet so nachlässig und unzulänglich markiert ist, dass wir als erfahrene Wanderer und trotz neu erstandener Wanderkarte (Tabacco 04) gleich mehrfach in die Irre geführt werden. Dass wir nicht als ‚Geisterfahrer’ unterwegs sind, zeigen uns Diskussionen, die auch andere Wanderer auf der Strecke und an unserer Jausenstation über Wanderrouten führen. An welchen Strukturen der unübersehbare Handlungsbedarf scheitert, bleibt ein Geheimnis der Hüter dieser Strukturen.  





Höfe am Naturnser Sonnenberg über dem Vinschgauer Tal
Wir lassen uns vom wechselhaften Wetter mit leichten Regenschauern nicht abschrecken und nehmen uns eine Wanderung am ‚Naturnser Sonnenberg’ vor. Ungeachtet der enttäuschenden Wetterlage entdecken wir tatsächlich eine Wanderregion, deren Existenz uns bisher entgangen ist, weil es uns in der Vergangenheit (bei meistens besserem Wetter) in größere Höhen gezogen hat. Um ein ‚Wanderparadies’ glaubwürdig zu bewerben, müsste die Kennzeichnung von Wegen besser sein, als wir sie angetroffen haben. Trotzdem sind wir uns sicher, noch häufiger in dieses Wandergebiet zurückzukehren und hoffen, in Zukunft auf bessere Markierungen zu treffen.







Bergstation der Seilbahn Unterstell
Von Naturns-Kompatsch nutzen wir die Seilbahn nach Unterstell (11 € pP mit Gästekarte für Hin- und Rückfahrt). Die Bergstation der Seilbahn entlässt uns in eine attraktive Wanderregion, die ein reiches Angebot an Wanderwegen und Jausenstationen bietet. Da das Wetter unsicher ist, wollen wir zunächst nicht in die Höhe, sondern auf einem Abschnitt des Meraner Höhenweges in Richtung Katharinaberg wandern und abhängig von der Wetterentwicklung später entscheiden, ob wir nach Katharinaberg absteigen oder weiter aufsteigen, um auf einem Rundweg über die Dicker Alm abzusteigen. 








Vinschgauer Tal vom Naturnser Sonnenberg
Das Wetter wirkt am Morgen noch unentschieden und lässt offen, in welche Richtung es sich entwickeln wird. Beim Gasthof Lint treffen wir auf den Meraner Höhenweg, der mit der Nr. 24 markiert ist, die jedoch selten zu finden ist. Wir folgen zunächst dem Meraner Höhenweg in Richtung Katharinaberg. Vom Weg bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf den Vinschgau, Juval und das Schnalstal.











Gasthof Lint am Naturnser Sonnenberg
Inzwischen werden die Wolken dichter und auch dunkler. Vielleicht trüben sie unsere Sicht, denn egal, welche Richtung wir einschlagen, ständig ist ein Weg Nr. 10 ausgewiesen, auf den wir lt. unserer Karte und auch lt. einem an der Bahn ausliegenden Flyer hier nicht erwarten können und auf den wir erst später treffen sollten. Uns bleibt nichts anderes übrig, als zunächst der Route zu folgen und zu hoffen, bald auf einen Orientierungspunkt zu treffen.
Heute scheint der Tag der Beregnung zu sein. Ab dem Gasthof Lind sInd alle Beregnungsanlagen an den Höfen unserer Route aktiv. Diese Art der Beregnung ist am Sonnenberg notwendig und bereitet uns kein wirkliches Problem, denn ihre Reichweite ist überschaubar und unsere Kleidung trocknet schnell. Inzwischen erreichen uns aber auch erste Regentropfen. Sie stellen sich als Vorboten leichter Regenschauer heraus, die uns nun auf dem gesamten Weg begleiten. Der Weg ist unschwierig, weshalb mit dem Regen keine Risiken verbunden sind. Ein Stimmungshoch vermag Regen jedoch auch nicht zu fördern.

An einem Hof weisen Pfeile mit Wegnummern in wirre Richtungen, die sich uns nicht erschließen. Völlig irritierend erscheint uns, dass wir uns lt. Marke auf dem Weg Nr. 10 befinden, obwohl wir erwarten, auf dem Weg Nr. 24 zu gehen. Möglicherweise haben wir eine Abzweigung übersehen und befinden uns bereits auf dem Anstieg in Richtung Dicker Alm, wohin wir ohnehin gehen wollten. Diese Annahme erweist sich jedoch als Irrtum. Der Anstieg führt zum Dickhof. Wir verstehen nicht, warum das so ist, haben aber nun endlich einen Orientierungspunkt, von dem wir in einer Stunde zur Dicker Alm aufsteigen, die als Jausenstation ausgewiesen ist.

Jausenstation Dickhof am Naturnser Sonnenberg
Dort angekommen, scheinen wir nicht willkommen zu sein. Uns begrüßt lediglich ein aufdringlicher Hund in einer Umgebung, die wir als schmuddelig und nachlässig empfinden. Eine Bedienung zeigt sich nicht. Nach einigen Minuten Wartezeit verlassen wir wieder die Alm, die uns ohnehin nicht gefällt.
 Weitere Experimente riskieren wir nicht und gehen darum zurück zum Dickhof, an dem wir nach 3:45 Stunden Wanderung eine Pause einlegen. Umgebung, Atmosphäre und Service sind angenehm. Hier verweilen wir gerne. Der Rückweg zur Bergstation der Seilbahn nach Naturns ist in einer Stunde Gehzeit problemlos bewältigt.







Technische Daten des Rundweges

·      Gesamtgehzeit: 4:45 Stunden
·      Absolute Höhendifferenz: 760 m
·      Gesamtleistung im Auf- und Abstieg: ca. 1.000 m (Schätzung)
·      Technische Anforderungen: keine
·      Konditionelle Anforderungen: mittel
·      Markierung: ungenügend (lückenhaft, missverständlich, irreführend)!

Erlebniswert Wanderwege: 2

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