Sonntag, 3. August 2014

Wallis 2014 - Wanderung an Suonen (Wasserfuhren/Wasserleitungen) bei Grächen

Ausblick am Morgen von unserer Unterkunft auf Grächen
Gestern hat uns nur das Auto bewegt. Von Glurns im Vinschgau sind wir bei mehr oder weniger Regen in ca. 7,5 Stunden Fahrzeit über 4 Alpenpässe, - Ofenpass, Albulapass, Oberalppass Furkapass -(1), 370 km weiter westlich nach Grächen im Schweizer Kanton Wallis gereist. Diashow mit Fotos der Anreise
Bei Ankunft an unserer Unterkunft schien gestern in Grächen sogar die Sonne. Heute ist das Wetter etwas schwieriger, aber wir starten trotzdem zu einer Wanderung entlang der Wasserleitungen am Hang oberhalb des Ortes. Waale sind nicht nur in Tirol, sonder auch im Schweizer Kanton Wallis zu finden und werden dort als Suonen oder als 'Wasserfuhren' bezeichnet(2). Bei Grächen im Mattertal laden gleich 4 dieser historischen Wasserleitungen(3) als Wanderwege ein. Suonen in Grächen sind mit Eigennamen bezeichnet und leiten ihr Wasser aus dem Riedbach ab, der den Riedgletscher entwässert und bei Sankt Niklaus in die Matter Vispa mündet.
Diashow mit Fotos der Wanderung  


Abschnitt der Eggeri bei Grächen
Mit über sechs Kilometern Länge ist die 'Eggeri' die längste Grächener Wasserleitung, die wir in voller Länge abgehen möchten. Zunächst wandern wir ca.30' talauswärts bis zum Restaurant Hohtschuggen. Ein Verbindungsweg leitet uns zur ca. 200 m höheren 'Eggeri', die wir nach 45' Gehzeit erreichen und zu unserer Enttäuschung heute trocken liegt.
Der schattige Waldweg entlang der 'Eggeri' unterscheidet sich kaum von Waalwegen in Südtirol. Später treffen wir auf pinkfarbene Leitungen aus Kunststoffmaterial. Uns gefällt diese skurrile Performance nicht, aber unsere Meinung ist weder gefragt noch ausschlaggebend. Wir stellen jedenfalls fest, dass Waalwege Südtiroler Gemeinden gepflegter und für Wanderer attraktiver sind als Wasserwirtschaftswege bei Grächen.   




Brücke über den Ritigraben
Ca. 1 km vor dem Ende des Weges am Riedbach queren wir den Ritigraben, eine Rinne unterhalb des Seetalhorns. Von dieser 3.037 m hohen grobblockigen Schutthalde fließen regelmäßig Murgänge im Ritigraben ab(4). Auf dem 'Eggeri' bereitet der 'Ritigraben' dank einer Brücke keine Probleme.







 



Ritigraben
Kurz vor dem Riedbach trifft der Weg auf einen jungen Murgang, den wir ohne Wanderstöcke und mit unseren leichten Schuhen nicht queren wollen. An diesem Punkt kehren wir nach 2:15 Std. Gehzeit um und steigen auf einem Verbindungsweg zur etwas tiefer verlaufenden Wasserleitung 'Chilcheri' ab, an der entlang wir nach Grächen zurückgehen möchten.
Bald stoßen wir wieder auf den Ritigraben, über den hier keine Brücke führt. Erst im 2. Anlauf finden wir eine für Familienwanderungen untaugliche Option zur Überquerung. Aus Richtung Grächen machen Flatterbänder und schriftliche Hinweise auf die Sperrung des Weges aufmerksam. Wanderern aus der Gegenrichtung nutzen diese Hinweise nichts. Wir können mit diesen Überraschungen umgehen, aber für eine Urlaubsregion, die mit dem Label einer besonderen Familien- und Kinderfreundlichkeit wirbt, sind derartige Schwächen kein Schmuck.



Ausblick vom Haus Birke am Nachmittag
Nach diesem kleinen Abenteuer steigen wir tiefer ab und wandern entlang der Wasserleitungen 'Drieri' und 'Bineri' zurück nach Grächen. Erst die 'Bineri' führt schließlich auch Wasser.
Insgesamt 3:40 Std. sind wir ohne Pausen unterwegs, bis wir zum Hause Birke zurückkehren, unser angenehmes Logis in Grächen. Während der Wanderung haben nur wenige Regentropfen gestört. Mitunter blinzelte sogar die Sonne durch Wolkenlücken. Inzwischen hat die Bewölkung zugenommen und reicht bis tief in das Tal. Die Prognose verkündet ab morgen besseres Wetter. An dieses Wunder glauben wir erst morgen, wenn es tatsächlich eingetreten ist. 

 




Anmerkungen


(1) Übersicht Schweizer Alpenpässe

(2) Wasserkanäle für die Bewässerung landwirtschaftlicher Gebiete in Gebirgsregionen sind auch außerhalb des Alpenraums zu finden. Einen Überblick bietet das Suonen-Portal des Wallis.

(3) Beschreibung der Suonen in Grächen

(4) Die beobachtete Zunahme von Murgängen im Ritigraben ist vermutlich auf zurückgehenden Permafrost aufgrund einer globalen Klimaerwärmung zurückzuführen.

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