Donnerstag, 23. Januar 2014

La Palma 2014: Wanderung im Barranco de La Galga zum Biosphärenreservat Los Tilos

Startpunkt im Barranco de La Galga
Nach dem Besichtigungsteil unseres Ausfluges an die Ostküste1) hat sich das Wetter  verbessert, so dass wir eine Wanderung unserer Must-do-Liste antreten können.2) Im subtropischen Regenwald des ‚Barranco de La Galga’ verbirgt sich ein Lorbeer-Urwald, von dem Experten annehmen, dass er seit ca. einer Millionen Jahren dort wächst. Ein vergleichbares Biotop existiert nur noch auf der Insel ‚La Gomera’. Beide Lorbeer-Urwälder sind als Biosphärenreservate unter Schutz gestellt.
Diashow der Fotoserie







Motiv im Barranco de La Galga
Die Wanderung beginnt in der Tat ‚gemütlich’.3) Wir
folgen einer moderat ansteigenden und anfangs noch asphaltierten Forststraße in die Schlucht. Nach ca. 30 Minuten verlassen wir die Forststraße und zweigen auf einen holprigen, aber gut markierten Wanderpfad ab. In dem subtropischen Regenwald wechseln schlammige Abschnitte mit unschwierigen, aber feuchten Geröllpassagen. Kurze steilere Anstiege erfordern Aufmerksamkeit.








Motiv im Barranco de La Galga
Spurensuche
Mit der gewonnen Höhe wird der Bewuchs dichter. Klima und Feuchtigkeit begünstigen einen Farnwuchs, der an Neuseeland erinnert. In der Tiefe des engen Barrancos bleibt die Sicht immer eingeschränkt. Wir sind uns unsicher, ob wir den Lorbeer-Urwald bereits erreicht haben bzw. wo und wie er sich von der Umgebung abgrenzt.








Mirador de la Somada Alta im Barranco de La Galga
Der Pfad windet sich an der südlichen Flanke des ‚Barrancos’ in die Höhe. Nach 1:40 Stunden Gehzeit erreichen wir den ‚Mirador de la Somada Alta’ in ca. 800 m Höhe. Aufstieg und Sicht lassen keine Begeisterung aufkommen. Nach nur kurzem Aufenthalt gehen wir weiter.











La Galga an der Ostküste
Der erste Abschnitt der steilen Abstiegsroute auf dem Wanderweg ‚PR LP 5’ ist auf dem stark erodierten und ungepflegten Weg unangenehm zu gehen. Für Beschwerlichkeiten dieses Weges erhalten wir keine Gegenwerte, die unsere Mühen rechtfertigen würden. Wir wären besser auf dem gleichen Weg umgekehrt, als die beschriebene Route zu gehen. Ca. auf halber Strecke des Rückwegs erreichen wir die Route des Hinweges, die nun zunehmend ‚gemütlicher’ wird.








Den angekündigten ‚gemütlichen Talspaziergang’ haben wir nicht angetroffen, aber auch nicht vermisst. Angezogen hat uns einer „der schönsten Urwaldbarrancos“, dem wir jedoch nicht begegnet sind. Das mag an uns liegen. Den Schuh ziehen wir uns aber erst dann an, wenn die reklamierten Einwände zur Tourenbeschreibung ausgeräumt sind.3)

Technische Daten


  • Streckenlänge: 8,9 km
  • Dauer: 2:40 Stunden Gehzeit, 3:05 Stunden Gesamtzeit
  • Höhendifferenz: 543 m Aufstieg, 540 m Abstieg

Anmerkungen

  1. Allgemeine Informationen zu Infrastruktur und Bedingungen des Wanderns beschreibt der Post Wandern auf der 'Isla Bonita’
  2. Siehe Post vom 23.01.2013: Ausflug nach Puntallana an der Ostküste
  3. Anmerkungen zur Tourenbeschreibung
    Unsere Wanderung folgt der Tour Nr. 10 des Rother Wanderführers ‚La Palma - Die schönsten Küsten- und Wanderwege’ (13. Auflage 2013). Bisherige Erfahrungen mit diesem Wanderführer sind bisher insgesamt gut. Touren und Zeitangaben sind hinreichend präzise und verlässlich beschrieben. Heute stoßen wir jedoch auf ein Ärgernis, das von subjektiven Wertungen der Autoren, Klaus und Annette Wolfsperger, provoziert ist. Ihre Überschrift dieser Tour lautet: „Gemütlicher Talspaziergang durch einen der schönsten Urwaldbarrancos.“ Die kurze und scheinbar prägnante Aussage irritiert aus 3 Gründen:
    1. Der Begriff ‚gemütlich’ enthält eine qualitativ unbestimmte Aussage. Individuell kann jeder durchaus unterschiedliche Situationen als ‚gemütlich’ assoziieren. ‚Gemütlich’ in Verbindung mit ‚Spaziergang’ besagt jedoch unmissverständlich, dass diese Wanderung einfach ist, keine Anforderungen stellt und von allen Menschen zu bewältigen ist, sofern sie über zwei Beine verfügen und sich bis zu 3 Stunden gehend bewegen können.
Als ‚gemütlich’ kann jedoch nur ca. 1/3 der Strecke gelten. Die beiden anderen Drittel sind zwar nicht schwierig, aber sie stellen auf teilweise steilen Wegen konditionelle Anforderungen. Auf relativ ungepflegten Wegen mit stark erodierten Abschnitten verlangen nasse Pflaster und schlammiger Untergrund in steilen Passagen Trittsicherheit. Wer ohne Teleskopstöcke unterwegs ist, kann in Schwierigkeiten geraten. Die Bezeichnung derartiger Wege als ‚gemütlich’ ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir werten das Attribut ‚gemütlich’ als Unsinn und als fahrlässig, weil u.U. Wanderer angezogen werden, die den Anforderungen nicht gewachsen sind.
    2. Wir wissen natürlich nicht, wie die Autoren spazieren gehen. Für die meisten Menschen dürfte jedoch ein Spaziergang eine Art des Gehens sein, die keine besonderen Anstrengungen erfordert. Die Route ist nur anfangs ein ‚Talspaziergang’. In der Realität verlangt die beschriebene Runde eine Bewältigung von mehr als 1.000 Höhenmetern, von denen mehr als 500 m jeweils im Aufstieg und im Abstieg zu 2/3 auf unkomfortablen Pfaden zu leisten sind. Was den Begriff ‚Spaziergang’ unter solchen Bedingungen rechtfertigt, lassen die Autoren ungeklärt. Wir werten den Begriff ‚Spaziergang’ als Unsinn und als fahrlässig, weil er ebenfalls Wanderer anziehen könnte, die den Anforderungen nicht gewachsen sind.
    3. Die Bewertung eines Zustandes oder Sacherhaltes als ‚schön’ gerät regelmäßig in Argumentationsprobleme, wenn diese Wertung Allgemeingültigkeit i.S. einer absoluten Aussage reklamiert. Wenn die Autoren den Titel ihrer Wanderführers (in vermutlich verkaufsfördernder Absicht) mit dem Zusatz veredeln „die schönsten Küsten- und Wanderwege“, verabsolutieren sie ihre eigenen subjektiven Eindrücke und Wertungen zu vermeintlich objektiven Sachaussagen. Selbst wenn viele Menschen ihre Wertungen teilen, ist die Problematik einer Vermengung von Wert- und Sachaussagen nicht geheilt.

      Anlsässlich der Tour Nr. 10 versteigen sich die Autoren zu der Aussage „einen der schönsten Urwaldbarrancos“ zu beschreiben. Wir sind uns relativ sicher, dass die Autoren wohl kaum durch alle ‚Urwaldbarrancos’ des Planeten Erde gewandert sind. Selbst wenn es so wäre, bleiben zwei Fragen ungeklärt:

      1. Welche Vergleiche ziehen die Autoren heran?
      2. Welche Schönheitskriterien verwenden die Autoren für ihre Vergleiche von ‚Urwaldbarrancos’?

      Schönheit ist keine metrische Größe, sondern ein von Kultur und subjektiver Erfahrung geprägter Begriff für positive Emotionen i.S. fremdseelischer Zustände, die für Dritte unsichtbar bleiben. Eigenes Erleben mit dem Anspruch von Allgemeingültigkeit zu verbinden, verweist auf Unreflektiertheit und/oder Arroganz. Implizit unterstellen die Autoren, dass jeder Mensch, unabhängig davon, in welchem Kontext er seine Sozialisierung erfährt, den ‚Barranco de La Galga’ mit einem emotionalen HochgefühI durchwandert und als ‚einen der schönsten’ erlebt. Das ist objektiver Unsinn.

      In einem Wanderführer, der Routen sachlich und für möglichst viele Menschen nachvollziehbar beschreibt, sind subjektiv wertende Aussagen dieser Art zumindest dann deplaziert, wenn sie als allgemeingültig ausgegeben werden. Besser wäre es, solche Aussagen zu vermeiden. Den Autoren mag die beschriebene Problematik nicht bewusst sien. Ein Verlag mit Qualitätsanspruch wird jedoch auf solche Textpassagen Einfluss nehmen. Wenn dies selbst in der 13. Auflage eines Buches nicht der Fall ist, kann das nur bedeuten, dass Autoren nicht oder nur schlampig lektoriert werden. Ein Verlag ist für seine verlegten Produkte verantwortlich. Die Zitrone verdient sich der Verlag.

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