Das Seiser-Alm-Magazin 'Alpe' berichtet in Ausgabe Sommer 2013 (
"Wie kommt die Muschel in die Berge?") über einen 2011 neu eingerichteten Themenweg, den
Geotrail Pufels, der rund 300 Millionen Jahre
Erdgeschichte anschaulich macht. Die Thematik interessiert uns und der Themenweg zwischen dem Panider
Sattel und
Pufels im
Grödnertal ist in wenigen Minuten Fahrzeit erreichbar. Unsere Eindrücke auf dem Themenweg beschreibt dieser Post. -
Fotogalerie

Vom Panider Sattel folgen wir dem Weg '3a' nach
Pufels im
Grödnertal, eine Fraktion der Gemeinde
Kastelruth. Am Themenweg sind insgesamt 8 Schautafeln angebracht, von denen 7 über geologische Besonderheiten der Region informieren. Tafel 1 stellt den Trail in einer Übersicht vor. Wir gehen gegen die empfohlene Richtung und treffen darum zuerst auf Tafel 8, die den in die ladinsche Sagenwelt eingegangenen historischen
Bergsturz von Pontives geologisch entschlüsselt. Bei diesem Ereignis hat sich auf der gegenüberliegenden Seite des Grödnertals ein Hang des Höhenzuges
Raschötz gelöst und Felsmassen in das Tal geschwemmt.

Nachfolgende Tafeln veranschaulichen Detailaspekte komplexer, langsamer geologischer Prozesse, die seit ca. 280 Millionen Jahren zur
Entstehung der Dolmiten beitrugen. Als geologische Laien fällt es uns schwer, Darstellungen der Tafeln auf die Morphologie der Landschaft zu übertragen und die Prozesse ihres Entstehens nachzuvollziehen. Anschaulicher sind für uns der Geologensteig am Schlern (
Post vom 10.09.2015) und der
GEOPARC Bletterbach (
Post vom 31.08.2015).
(Für Laien verständlich beschreibt Florian Neukirch die
Geologie der Dolomiten.)

Unser Rückweg von Pufels zum Panider Sattel verläuft auf der ersten Hälte auf der alten Pufeler Straße. Der Bau dieser Straße legte eine Abfolge von Sedimentschichten frei, die den Ort Pufels unter Geologen international berühmt gemacht hat. Das 'Pufler Profils' motiviert Experten aus aller Welt zu Reisen nach Pufels, um vor Ort das Profil zu untersuchen. Die 'Schatzkammer' des Geotrails befindet sich an Tafel 2. Die aufgeschlossene Schichtabfolge der
Perm-Trias-Grenze an der Wende vom
Perm zur
Trias verweist auf ein vor 252 Millionen Jahren stattgefundenes Ereignis, das das größte bekannte Massenausterben von Fauna und Flora auslöste. 75 % aller an Land lebenden Arten und 90 % aller im Wasser lebenden wirbellosen Arten wurden ausgelöscht. Über mögliche Ursachen bestehen mehrere Theorien.

Der beliebte Spruch "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", entlarvt sich an diesem Ort einmal mehr als Unsinn, während sich eine bekannte Weisheit bestätigt: "Man sieht nur das, was man weiß." Bloße Betrachtung fördert keine Erkenntnis. Wahrnehmung basiert auf Vorwissen. Phänomene, die Geologen als Sensation einordnen, vermag unser ungeschultes Auge nicht zu erfassen. In einem scheinbar unstrukturierten Abschnitt des Geländes sehen wir zwischen Gras und Gesteinsbrocken Borlöcher, Beschriftungen, Markierungen mit unzähligen Metallplättchen. Dieser Ort ist offensichtlich wichtig, was die Schautafel verdeutlicht, aber wir erkennen keine wissenschaftlich relevanten Sachverhalte. Nicht anders ergeht es uns bei einigen am Weg zu findenden fossilen Spuren in Gesteinen. Sie sprechen nicht zu uns. Eigene Recherchen kratzen lediglich ein wenig an der Oberfläche der Thematik. Trotzdem ist der Geotrail Pufels spannend, weil er zu eigenen Recherchen anregt. Mit fachkundiger Führung wäre der eigene Erkenntnisgewinn vermutlich größer ausgefallen. Ob mit Führung und Erkenntnis das Vergnügen an der Wanderung gesteigert und Eigeninitiative angeregt wird, ist jedoch fraglich.

Nach 2:45 Std. Wanderung (inkl. vieler Stopps) sind wir zurück am Ausgangspunkt der Wanderung und gönnen uns am
Hotel Panider Sattel eine Kaffeepause, ehe wir unsere Tagesexkursionen am Kloster Säben fortsetzen.
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