
Der
Vinschgau gilt mit ca. 500 mm Niederschlagsmenge als das niederschlagsärmste Tal des Alpenraums, was uns u.a. seit Jahrzehnten dazu motiviert, in den
Vinschgau zu reisen und nicht etwa in die bayerischen oder österreichischen Alpen. Seit einigen Jahren verstärkt sich unser Eindruck, dass Niederschläge gerade dann fallen, wenn wir uns im Tal aufhalten, wie auch heute. Wir wollen nicht länger auf ungewisses stabileres Wetter warten und wandern heute eine größere Tour im
Naturpark Texelgruppe von
Vernagt im
Schnalstal zur
Similaunhütte auf dem Niederjoch im
Schnalskamm der
Ötztaler Alpen. Regen ist erst für den Nachmittag angekündigt (was lediglich für das
Vinschgauer Haupttal zutrifft), aber Prognosen interessieren das Wetter wenig. Bereits mittags setzt am
Schnalskamm leichter Regen ein, der unseren Rückweg begleitet. Vor dem Rückweg liegt natürlich der Hinweg. Gefühlt kostet dieser deutlich mehr Anstrengung als in der Vergangenheit. Der letzte Besuch liegt allerdings schon einige Tage zurück (
Post vom 6.08.2002), und gefühlte Erinnerungen sind bekanntlich wenig zuverlässig. Am Ende des Tages sind wir jedoch zufrieden, mehr als 1300 Höhenmeter in 3:10 Std. bewältigt zu haben (Rückweg 2:20 Std.). Dass unsere Kniegelenke derartige Belastung besser als in Vorjahren verkaften, ist kein Zufall, sondern unserem Gymnastikprogramm zu verdanken. -
Fotoserie der Wanderung

In Anbetracht der Wettervorhersage brechen wir früh von unserem Standort auf, dem
Marinushof in
Kastelbell, und beginnen die Wanderung bei sonnigem, klarem Wetter um kurz nach 8 Uhr am
Vernagt-Stausee im
Schnalstal.

Auf dem als
Ötzifährte bezeichneten Anstiegsweg im Tisental passieren wir nach 20 Minuten den unter Denkmalschutz stehenden
Tisenhof. Möglicherweise führte auch der letzte Weg des als
Ötzi bekannten 'Mannes vom Tisenjoch' durch das Tisental aufwärts. Archäologische Untersuchungen weisen jedenfalls eine prähistorische Präsenz von Menschen im Tisental nach.(1)


Der moderat ansteigende Weg Nr. 2 führt in Richtung
Schnalskamm über eine Abfolge endlos erscheinender Talstufen zunächst durch Almgelände und Lärchenwald. Nach Nordwesten blicken wir zur
Fineilspitze, auf deren Gipfel wir 1990 standen (
Post vom 12.07.1990). Im Nordosten ist das Niederjoch zu erkennen, zu dem unser Weg führt.

Gut 2 Stunden sind wir bis zur Wand des
Schnalskamms unterwegs. Der Aufstiegsweg zum Niederjoch im felsigen Gelände wird anspruchsvoller und erfordert Trittsicherheit. Drahtseile und Ketten sichern ausgesetzte Stellen und machen den Weg für fitte Wanderer begehbar. Vom Niederjoch kommen uns etliche, teilweise große Gruppen entgegen, die in der Hütte hoffentlich Plätze freigemacht haben.

Nach 3:10 Std. Anstiegzeit (3:20 Std. inkl. zwei kurzer Pausen) erreichen wir die
Similaunhütte (3019 m) an der Grenze zwischen dem österreichischen
Nordtirol und dem italienischen
Südtirol. 1989 waren wir eine Stunde schneller und sind nach einer kurzen Pause in 1:30 Std. auf den Gipfel des
Similauns (3606 m) gestürmt, ehe wir noch am gleichen Tag ins Tal abgestiegen sind. Heute sind wir froh, angekommen zu sein. Der Gipfel des
Similauns (3606 m) lockt uns so wenig wie ein Besuch der
Ötzi- Fundstelle am Tisenjoch (3208 m), was nicht nur mit dem Wetter zu begründen ist. Weiter sich verdichtende Wolken streichen inzwischen um die Hütte.

In der
Similaunhütte steppt der Bär. Im Schuh- und Rucksackraum, durch den die Hütte betreten wird, drängen sich ankommende und verabschiedende Wanderer. Seit unserem letzten Besuch wurde die Hütte erheblich erweitert, so dass wir auf Anhieb einen Platz im Gastraum finden. Ein vielköpfiger, flinker Service macht deutlich, dass der Ansturm der Besucher keine Ausnahme ist.
Die Wetterlage mahnt zur Eile. Nach 30 Minuten Einkehr treten wir den Rückweg an (2:20 Std.).
Anmerkungen
- Andreas Putzer, Daniela Festi: Praehistorische Zeitschrift, Band 89, Heft 1 (Dez 2014): Nicht nur Ötzi? - Neufunde aus dem Tisental
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