Montag, 23. Juni 2014

Sächsische Schweiz 2014 - Tag der Aussichtspunkte: Wanderung im Bielatal

Blick vom Aussichtspunkt Großvaterstuhl auf das Bielatal
Touristen im Elbsandsteingebirge bevorzugen Ziele in der Nähe des Elbtals mit intensiv beworbener touristischer Infrastruktur. Wenn Einheimische dort selten anzutreffen sind, besagt das nicht, dass sie kein Interesse an Freizeitaktivitäten entwickeln. Im Gegenteil erleben wir Einheimische der Sächsischen und Böhmischen Schweiz als bewegungsfreudig, aber sie bleiben unauffällig, weil sie Ziele jenseits ausgetretener Touristenpfade bevorzugen.
Im wild-romantischen Bielatal treffen wir vor allem auf Einheimische. Wochenenden mit schönem Wetter scheinen alle sportlich Interessierten der Region anzuziehen, um im Bielatal zu klettern und zu wandern. Erfahrungen der Vorjahre empfehlen Werktage für einen Besuch. Heute genießen wir auf unserer kleinen, feinen Wanderung das Bielatal nahezu allein. Tourismus ist im Bielatal nicht ausgeschlossen. Ansässige Gemeinden und Gewerbebetriebe möchten den Tourismus ausbauen, weil er zu den wenigen relevanten Wirtschaftsfaktoren der Region zählt. Aktuell ist Tourismus im Bielatal jedoch eine eher zarte Pflanze. Diashow der Fotoserie   

Bielabach im Bielatal bei der Schweizermühle
Wie seit etlichen Jahren, sind auch heute für die Anreise Umleitungen in Kauf zu nehmen. Umleitungen sind vermutlich auch noch in den nächsten Jahren zu erwarten, denn viele defekte Straßen warten noch auf ihre Sanierung. Auf der Anfahrt passieren wir etliche dem Verfall überlassene Gebäude. Die vom 'Kanzler der Einheit', Helmut Kohl, bemühte Vision 'blühender Landschaften' zeigt sich tatsächlich, aber lediglich als Naturoase und nicht als ökonomische Zukunftperspektive. Viele produktive Menschen sind fortgezogen, weil mit der Ent-Industrialisierung ihre Arbeitsplätze alternativlos verlorengegangen sind. Die ökonomische Situation schafft der Natur Raum für eine Rückeroberung der Landschaft. Den Preis für eine Rückkehr naturnaher Landschaften zahlen ansässige Menschen, von denen nicht wenige ihr Heil im politischen Rechtsradikalismus suchen. Als Besucher fällt es uns schwer, eine der Lage angemessene Haltung einzunehmen.



Kaiser-Wilhelm-Feste am Bielablick
Bei der Pension Schweizermühle, an der wir parken, kreuzt der mit einem gelben Punkt markierte Rundweg die Straße im Talgrund. Die Wanderung beginnen wir auf der östlichen Seite des Bielagrunds, an der auf kurzer Strecke zahlreiche Aussichtspunkte liegen, wie 'Kleine Bastei', 'Wetterfahnenfels', 'Bielablick' mit 'Kaiser-Wilhelm-Feste' etc.










Motiv auf der Wanderroute
Die Wegführung in dem zerklüfteten, bewaldeten Gelände zwischen den Aussichtspunkten erfordert ein wenig Aufmerksamkeit, weil die verblassten Marken der Route durch den Wald nur sparsam und eher unauffällig angebracht sind.












Blick vom Aussichtspunkt Großvaterstuhl auf das Bielatal
Oberhalb der Ottomühle verlassen wir die Wanderroute für einen lohnenswerten Abstecher zum 'Aussichtspunkt Großvaterstuhl' und kehren anschließend zu markierten Wanderroute zurück. Die Route fällt zunächst in den Bielagrund und steigt anschließend auf die gegenüberliegende südliche Seite an, auf der sie zurück zum Ausgangpunkt führt.









 
Blick auf den Daxenstein
Rast an der Daxensteinbaude
Nach zweistündiger Wanderung erreichen wir den Bielagrund, in dem zwei benachbarte Einkehroptionen um vorbeiziehende Wanderer konkurrieren. Das Gasthaus Ottomühle wirkt mit seinem Biergarten durchaus einladend, aber die heute aktiven Wanderer bevorzugen einmütig die gegenüberliegende 'Daxensteinbaude', bei der es sich eher um einen Kiosk mit Sitzgelegenheiten handelt. Traditionell kehren auch wir in der  'Daxensteinbaude', die mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis der Ottomühle heute keinen Stich lässt. Eine ordentliche Linsensuppe mit Wursteinlage zum Preis von 4 € und 0,4 l Fassbier für 2,50 € sind überzeugende Argumente.





Kletterer an der Felsgruppe Johanniswacht
Auf dem Rückweg liegen zwar nur 3 Aussichtspunkte, aber diese sind besonders attraktiv. Gemäß dem Prinzip 'das Beste zuletzt', haben wir diese Aussichtspunkte auf den Rückweg gelegt.
Der Auftakt führt zur  'Johanniswacht', deren Aussichtsplatz auf einer kurzen Steiganlage erreicht wird. Der Aussichtspunkt bietet einen guten Überblick auf Felstürme der gegenüberliegenden Seite und auf benachbarte Felsen, an denen wir eine 2er-Seilschaft beobachten..








Sachsenstein
Engstelle am Sachsenstein
Leitern am Sachsenstein

Steiganlage am Sachsenstein
Höhepunkt des Rückweges ist der 425 m hohe 'Sachsenstein', dessen kleines Felsplateau eine Serie steiler Eisenleitern als 'Einbahnstraße' erschließen. Im Mittelteil des Steigs führt eine der Leitern durch einen schmalen Spalt von ca. 60 x 60 cm. Übergewichtige Menschen können hier steckenbleiben, aber auch normalgewichtige Mensch können nur ohne Rucksack diese Engstelle passieren, in der zusätzlich ein Umstieg auf die nächste Leiter zu bewältigen ist. An Tagen mit größerem Andrang gelingt ein Aufstieg nur mit Wartezeiten. Im vorigen Jahr sind wir beim Anblick der Warteschlange am 'Sachsenstein' gleich umgekehrt. Heute genießen wir den 'Sachsenstein' für uns allein.






Blick vom Sachsenstein auf die Herkulessäulen
Vom kleinen Felsplateau blicken wir auf der gegenüberliegenden Seite des Bielatals auf den Aussichtspunkt Bielablick mit der Kaiser-Wilhlem-Feste. Weiter rechts steigen die imposanten Felsnadeln der Herkulessäulen auf, die zu den beliebtesten Kletterfelsen der Region zählen.










 
Am letzten Aussichtspunkt mit der Bezeichnung 'Nachbar' blicken wir auf Häuser der kleinen Ortschaft Schweizermühle in der Nähe unseres Ausgagspunktes. Nach dreistündiger Wanderung (3,5 Stunden Gesamtzeit) beenden wir eine ebenso großartige wie aussichtsreiche 9,2 km kleine Runde mit ca. 350 m Höhenunterschied im Auf- und Abstieg. 

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