Donnerstag, 18. April 2013

Sollen Ahrsteig-Verbindungswege anziehen oder abschrecken? - Der Berg hat gekreißt und eine Laus geboren!

Ausblick vom Schutzhaus Schrock
Nachdem sich die attraktiven Fernwanderwege 'Rheinsteig' und 'Eifelsteig' als Erfolgsstory erwiesen haben, entstand bereits vor einigen Jahren die Idee zur Etablierung eines weiteren Fernwanderweges durch das Ahrtal. Der 'Ahrsteig' soll zusätzlich eine Funktion als Verbindungsweg zwischen 'Rheinsteig' und 'Eifelsteig' übernehmen, was die Attraktivität einer Route durch das ohnehin sehr schöne Ahrtal steigern würde. Die Umsetzung erwies sich jedoch aufgrund von Interessenkonflikten als schwierig. Ursprünglich sollte der neue Fernwanderweg im Herbst 2009 eröffnet werden. Nach mehrfachen Ankündigungen und Verschiebungen wird der 'Ahrsteig' schließlich am 3.11.2012 offiziell eröffnet.
Die gute Nachricht, frühlingshaftes Wetter und Erinnerungen aus Vorjahren motivieren zu einer Wanderung über den Steinerberg, auf dessen Höhe das Steinerberghaus zur Einkehr einlädt. Obwohl wir keineswegs unerfahrene Wanderer sind, Wanderkarten lesen können und unser Orientierungsvermögen bestimmt nicht unterdurchschnittlich ist, haben wir uns in der Vergangenheit wegen der schlechten Markierungen prinzipiell verlaufen. Mit Einrichtung des Ahrsteigs versprechen wir uns eine deutlich verbesserte Kennzeichnung der Wege. Dass Erwartungen und Realität sich nicht immer decken, mussten wir heute erneut lernen. Diashow der Fotoserie

Routenübersicht des Ahrsteigs
Bei Licht betrachtet ist der 'Ahrsteig' noch nicht fertig. Die Zertifizierung als 'Premiumweg' steht noch aus, und ein durchgehender Weg über sieben Etappen konnte bisher nicht realisiert werden, was angeblich auf Streitigkeiten mit Grundstückseigentümern zurückzuführen ist. Die Etappen 1-4 ('Ahrsteig blau') sowie 6-7 ('Ahrsteig rot') bilden zwei jeweils verbundene Teilabschnitte. Zwischen den beiden Teilabschnitten bietet die 5. Etappe vier alternative Routen als Verbindungswege zwischen den Orten Kreuzberg und Walporzheim an. Ökonomische Interessen dürfen vermutet werden. Die attraktivsten Wanderrouten liegen in den Ahrbergen, deren Weg eher weiträumig an etlichen Weinorten im Tal vorbeiführen. Wenn Ahrsteigwanderer zu höheren Umsatzerwartungen in den regionalen Gemeinden beitragen sollen, müssen jedoch die Wege durch das Tal führen.

Motiv in Kreuzberg mit der Burg Kreuzberg
Wie auch immer, die variable Routenführung ist ein durchaus innovativer Ansatz, der unterschiedlichen Ansprüchen von Wanderern entgegenkommt. Neben leichten Routen des 'Rotweinwanderwegs' und des 'Ahrtalwegs' führen zwei anspruchsvollere Routen, 'AV1' und 'AV2', auf oft schmalen Pfaden im ständigen Auf und Ab über Gipfel der Ahrberge. Da der 'AV1' wegen Forstarbeiten gesperrt ist und wir ohnehin über den Steinerberg gehen wollen, entscheiden wir uns für den Verbindungsweg AV2.
Für den Rückweg wollen wir die Ahrtalbahn ab Walporzheim nutzen und parken daher unser Auto kostenlos an der Bahnstation Kreuzberg. Unterhalb der Burg Kreuzberg, die das Ortsbild dominiert, finden wir die mit 'AV1/AV2' ausgewiesene Wandermarke unserer Route, perfekt!




Ruine Burg Are über Altenahr
Unsere Euphorie endet schnell. Nach Überquerung einer Fußgängerbrücke über die Ahr finden wir keine Wegmarken. Da unser Ziel in Walporzheim in östlicher Richtung stromabwärts liegt, entscheiden wir uns für diese Richtung. Eine Vielzahl von Wandermarken wiegen uns zunächst in dem Glauben, zumindest nicht ganz falsch zu gehen. Erst hinter Altenahr setzt sich die Einsicht des Irrtums durch. Wir gehen zurück nach Altenahr und erstehen im Tourismusbüro eine aktuelle Wanderkarte des Eifelvereins. Auf unsere mehr als 10 Jahre alte Wanderkarte wollen wir uns nach der Neuorganisation der Wanderrouten nicht mehr verlassen.






Ahrfelsen mit Teufelsloch bei Altenahr
Die freundliche Mitarbeiterin des Tourismusbüros empfiehlt als Zugang zu unserer Route eine Variante über einen Zubringerweg, der kurz hinter dem Gebäude des Tourismusbüros zunächst zum 'Schwarzen Kreuz' und anschließend zum 'Teufelsloch' steil ansteigt. Von dort kämen wir dann weiter zum Steinerberg.
'Schwarzes Kreuz' und 'Teufelsloch' haben wir bereits aus dem Ahrtal gesehen. Diese Zwischenziele werden wir nicht verfehlen.








Blick vom Aussichtspunkt Schwarzes Kreuz
Schwarzes Kreuz
Der Anstieg zu einem Aussichtspunkt mit besagtem 'Schwarzen Kreuz' ist für Verhältnissse im Mittelgebirge in der Tat recht steil, aber unschwierig. Vom Aussichtspunkt bietet sich ein schöner Blick auf das Ahrtal mit dem Ort Altenahr und der Ruine Burg Are sowie auf die Steillagen der Weinberge am Nordhang des Ahrtals.








Teufelsloch
Auf einem felsigen und mitunter leicht ausgesetzten Gratweg erreichen wir das 'Teufelsloch', hinter dem ein kleiner Balkon liegt, von dem sich erneut ein attraktiver Ahrblick öffnet. Weiter führt der Weg jedoch von dort nicht. Wir müssen umkehren und befinden uns jetzt auf dem 'Verbindungsweg AV1', der später auf den Ahr-Venn-Weg trifft, mit dem sich noch später der 'AV2' vorübergehend verbinden wird. Erst weit hinter dem Steinerberghaus trennen sich die beiden Wege wieder. Bis jetzt haben wir Kontrolle über unsere Route.







Blick vom Schutzhaus Schrock auf das Ahrtal
Motiv am Schutzhaus Schrock
Ob wir tatsächlich auf dem 'AV1' unterwegs sind, bleibt oft unsicher. Nummern lokaler Rundwege, die auf der Wanderkarte nicht nachvollziehbar sind, verunsichern uns. Da weder Entfernungen noch Orte benannt sind, ist die Orientierung auch mit Wanderkarte kaum möglich. Wir haben keine andere Chance, als unserer Route zu folgen. Sporadische 'AV1'-Marken wirken entspannend. Am Schrock erreichen wir endlich einen Orientierungspunkt.

Steinerberghaus am Steinerberg, 531 m
Die Fortsetzung des Weges gerät zu einem Ratespiel. Wie bei Ratespielen üblich, kann man daneben liegen. Mehrmals gehen wir zurück, testen andere Optionen und entscheiden uns schließlich für eine Richtung, die sich wieder als falsch erweist. Wenige Wanderer, auf die wir unterwegs treffen, können nicht helfen. Sie irren ebenfalls durch die Landschaft. Schließlich kommt uns ein ortskundiger Wanderer entgegen. Er informiert bereitwillig und gesteht, dass er hier auch schon als Irrläufer unterwegs war. Unsere Selbstzweifel nehmen ab.
4:20 Std. sind wir ab Kreuzberg ohne Pause, Essen oder Trinken unterwegs, als wir das Steinerberghaus erreichen. Nach Abzug kurzer Aufenthalte dürfte die Gehzeit bis hier etwas mehr als 4 Std. betragen.




Rast am Steinerberghaus
An Wochenende kennen wir das Steinerberghaus überlaufen. Heute genießen wir Ruhe, einen entspannten Hüttenservice und wie immer großartige Eifelblicke. Das Leben kann wirklich schön sein, wenn es uns nur nicht immer so schwer gemacht würde.










Eifelblick am Steinerberg
In Anbetracht der Erfahrungen vom Vormittag halten wir es für eine gute Idee, die geplante Route nicht nach Walporzheim fortzusetzen, sondern auf der ursprünglich vorgesehenen Route nach Kreuzberg zurückzukehren.
Den Eifelblick lassen wir uns natürlich nicht entgehen, ehe wir den Rückweg antreten.










Motiv am Hornberg
Ausblick vom Hornberg
Am Hornberg bieten sich noch einmal großartige Ausblicke, ehe der Weg in einem moderaten Abstieg zurück in das Ahrtal leitet.










Ahr bei Kreuzberg
Der letzte Abschnitt unseres Weges nach Kreuzberg vermittelt noch einmal die natürliche Schönheit des Ahrtals jenseits des Trubels von Weinstuben, Tanz-Cafés und Döner-Imbissen in Altenahr. 1:30 Std. sind wir auf dem leichten Rückweg unterwegs, den wir eigentlich auf dem Hinweg gehen wollten.
Abschließend lässt sich konstatieren, dass die Orientierung zumindest auf diesem Abschnitt mit dem neuen Ahrsteig nicht einfacher geworden ist. Wir kennen viele Wandergebiete und Wanderrouten. Eine so schlechte Wegeführung, die teilweise chaotisch anmutet, ist uns bisher selten begegnet.
Lorbeeren haben sich die Verantwortlichen noch nicht verdient. Besser als dieses Chaos wäre ein Verzicht auf Markierungen. Dann wäre zumindest klar, worauf man sich als Wanderer einlässt. Bei den Nachbarn in der Pfalz ließen sich Rezepte einer attraktiven Infrastruktur abschauen.


Hofgarten, Gutsschänke Meyer-Näkel in Dernau
Wenn wir in der Ahr wandern, nutzen wir gerne die Gelegenheit zur Einkehr im Hofgarten, der Gutsschänke des Weinguts Meyer-Näkel in Dernau. Weinkenner wissen natürlich, dass das Weingut Meyer-Näkel nicht nur zu den Spitzenbetrieben der Ahr zählt, sondern dass dessen Produkte internationales Ansehen genießen.
Anlässlich unserer Reisen in Südafrika haben wir entdeckt, dass sich Werner Meyer-Näkel und einige weitere deutsche Weinerzeuger während unserer Wintermonate im Weinbau Südafrikas engagieren.
Die Gutsschänke im Stil eines Landgasthofs vermittelt einen Begriff vom 'savoir-vivre', wie er in Deutschland selten anzutreffen ist. Qualität kann nicht billig sein, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist äußerst fair, weshalb es uns immer wieder zum Hofgarten zieht.





Motiv in der Gutsschänke Meyer-Näkel, Dernau
An Wochenenden kann der Andrang bei schönem Wetter groß sein. Heute geht es trotz schönem Wetter sehr entspannt zu. Auf diesen Vorteil haben wir lange hinarbeiten müssen. Jetzt nutzen wir ihn.
Unser Unmut über das verwirrende Markierungschaos auf den Ahrwegen ist zwar nicht vergessen, aber er verdirbt unsere Stimmung nicht. Nach der Ankunft im Hofgarten gestatten wir uns  ein Glas Rieslingsekt, ehe wir unsere Favoriten ordern. Zum Essen trinken wir natürlich die legendäre Rotwein-Cuvée 'Us de la meng'. Der Name ist vermutlich mit dem kölschen Begriff 'us d'r lamäng' verwandt, der das französische Substantiv 'la main' (die Hand) zu einer Wendung verwurstet, die ungefähr besagt, dass etwas ohne Mühe ganz nebenbei entstanden ist, wie 'aus dem Handgelenk geschüttelt'.



Blutwurst-Kartoffel-Pfanne mit Frühlingszwiebeln und Eifler Senf
Dreierlei Ziegenfrischkäse mit Rhabarberchutney

Kommentare:

  1. Danke für den Blogbeitrag zu den Verbindungswegen, die ich noch nicht kenne. Schaut doch mal in meinen Bericht zum Ahrsteig rein. http://www.wanderreporter.de/2013/04/20/neugierig-auf-den-ahrsteig-die-offiziellen-etappen-von-blankenheim-eifel-bis-nach-sinzig-am-rhein/

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  2. Ich bin gestern den AV1 von Kreuzberg nach Walporzheim gewandert. Ich fand die Beschilderung dieses Weges gut. Ich hatte mir vorsichtshalber vorher den Track aufs Navi geladen, mußte diesen aber nur 2 oder 3 mal zu Rate ziehen. Im übrigen sind Ahrsteig und Verbindungswege auch in den aktuellen Wanderkarten eingezeichnet. Nicht so gut gefallen hat mir die Wegführung des AV1 am Krausberg. Da geht es über weite Strecken einen asphaltierten Weg entlang, obwohl es auch Möglichkeiten über Waldwege gegeben hätte. Die alten Beschilderungen der Wanderwege an der Ahr sind übrigens wirklich chaotisch und eine Herausforderung an alle Pfadfinder. ;-)

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  3. Herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Tour auf dem AV1. Dass die Route vielleicht doch nicht ganz eindeutig ist, lassen Unterschiede zwischen dem Ahrsteig-Portal (www.ahrsteig.de) und dem verlinkten Tourenplaner (outdooractive) ahnen. Während das Ahrsteigportal den AV1 mit einer Länge von 19,6 km sowie Höhenunterschieden von 810 m im Aufstieg und 868 m im Abstieg ausweist, hat die Etappe lt. Tourenplaner eine Länge von 21,0 km mit 832 m Aufstieg und 890 m Abstieg.
    Wenn im Tourenplaner die Anzeige von "Wanderwegen" in der Rubrik "Zusatzebenen" aktiviert wird, vermittelt das Bild einen Eindruck von einem Wegenetz, das nur mit guten Markierungen zu keinem "Irrgarten" wird. Bis zum 18.04.2013 war die Wegmarkierung gemäß subjektivem Eindruck nicht gut, sondern mangelhaft.

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  4. Vielen Dank für den sehr informativen Bericht; speziell den AV1 hatte ich mir als erste Wanderroute aus dem "Ahrsteig-Angebot" herausgesucht. Olaf Goebel gibt in seinem Buch "Wanderparadies Ahrsteig" übrigens für den AV1 eine Länge von 21,4 Kilometern, 955 Meter Steigung und 1010 Meter Gefälle an. Liegt dann wohl an der variablen Routenführung ...

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