Montag, 6. Juli 2020

Hart, härter, Sauerländer - Wanderung des Rothaarsteigs in 8 Etappen von Brilon nach Dillenburg, 12. - 21.07.2020

Wanderfee mit Rothaartsteig-Sticker Wanderer auf dem Rothaarsteig in Brilon

Die COVID-19-Pandemie erzwingt Änderungen ursprünglicher Reisepläne, die uns in das Ausland geführt hätten. Stattdessen entdecken wir uns glücklich stimmende Wandererfahrungen in deutschen Mittelgebirgslandschaften. 2 Wochen nach einer Rennsteigwanderung (1) zieht es uns auf einen Weitwanderweg im Sauerland (2,3). Am östlichen Rand des Rheinischen Schiefergebirges wandern wir auf dem Rothaarsteig durch das namensgebende Rothaargebirge entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide von Brilon in NRW nach Dillenburg in Hessen. 155 km Wanderstrecke mit mehr als 3.000 m Höhendifferenz jeweils im An- und Abstieg erwarten uns.(4,5) Etappenplanung, Buchung von Unterkünften und Gepäcktransport zwischen Unterkünften überlassen wir Kleins Wanderreisen. Launen des Schicksals und Wetter können wir nicht beeinflussen. Bewegen müssen/wollen wir uns selbst. Dieses Wandertagebuch beschreibt Erlebnisse der Tour.



Etappenplan
12.07.2020: Bahnreise von Köln nach Brilon im östlichen Sauerland                                                    - Waldhotel Klaholz, Brilon
13.07.2020, 1. Etappe: Waldhotel Klaholz, Brilon  - Willingen-Richtplatz, 22,3 km, ↑850 m                  - Waldhotel Willingen, Willingen
14.07.2020, 2. Etappe: Waldhotel Willingen          - Winterberg, 23,4 km, ↑670 m                                - Hotel Nuhnetal, Winterberg
15.07.2020, 3. Etappe: Winterberg                        - Schanze / Fleckenberg, 19,7 km, ↑433 m             - Landhotel Hubertus, Fleckenberg
16.07.2020, 4. Etappe: Fleckenberg / Schanze     - Rhein-Weser-Turm, 24 km, ↑253 m                      - Berghotel Rhein-Weser-Turm
17.07.2020, 5. Etappe: Rhein-Weser-Turm           - Lützel (Hilchenbach),16,3 km, ↑357 m                  - Hotel Ginsberger Heide, Lützel
18.07.2020, 6. Etappe: Hotel Ginsberger Heide    - Lahnhof (Nenkersdorf), 18 km, ↑500 m                 - Forsthaus Lahnquelle, Lahnhof
19.07.2020, 7. Etappe: Lahnhof                             - Irmgarteichen (Netphen), 18,4 km, > ↑300           - Gasthof Jokebes, Irmgarteichen
20.07.2020, 8. Etappe: Gasthof Jokebes, Irmgart. - Dillenburg, 25 km, > ↑200                                     - Hotel Bartmanns Haus, Dillenburg
21.07.2020: Bahnreise von Dillenburg nach Köln


21.07.2020: Bahnreise von Dillenburg nach Köln und Fazit unseres Wanderabenteuers
Die Rückreise von Dillenburg nach Köln verläuft glatt. Um 9:38 Uhr steigen wir in den Zug nach Siegen, wo wir den Anschlusszug nach Köln erreichen. Nach 2-stündiger Bahnfahrt und Weiterfahrt mit Bahn und Bus des Nahverkehrs erreichen wir um 12:15 Uhr unser zu Hause. Auf der Rückreise besteht Gelegenheit zu einem Fazit, das Anmerkung (13) am Ende des Posts dokumentiert.


20.07.2020: Auf der Schlussetappe von Irmgarteichen nach Dillenburg blühen blaue Blumen (ca. 25 km, 6:10/6:40 Std) - Fotoserie
Kornblumen am Weg bei Medenbach Untertor Dillenburg an der DillAussichtsplateau auf der Tiefenrother Höhe

Abweichend von der Etappenbeschreibung beginnen wir die 8. und letzte Etappe des Rothaarsteigs nach Dillenburg in Irmgarteichen. Den Rothaarsteig erreichen wir nach 3,1 km Aufstieg zur Gernsbacher Höhe mit ca. 200 m zusätzlicher Höhendifferenz. Insgesamt sind heute ca. 25 km Strecke mit > 550 m Anstieg und > 650 m Abstieg zurückzulegen. Das Wetter ist am Vormittag unbestimmt und könnte Regen bringen, aber es bleibt trocken. Die Sicht ist am Vormittag beschränkt. Ab dem Mittag wird es sonniger und wärmer. Nach 6:10 Std. Wanderung (6:40 Std. brutto) erreichen wir das Ziel müde, aber auch hoch zufrieden. In Dillenburg beziehen wir in der historischen Altstadt ein Zimmer im komfortablen Hotel Bartmanns Haus am Untertorplatz. Das Abendessen nehmen wir im benachbarten Restaurant Zum Schwan am Wilhelmsplatz ein, das mit einer qualitätsbewussten rustikalen Küche sowie üppigen Portionen zu bescheidenen Preisen und vorbildlichem Service überzeugt.

Dillenburg vermarktet sich touristisch als Oranierstadt und nimmt mit dem Namenszusatz Bezug auf die historische Bedeutung Dillenburgs als Stammsitz des oranischen Zweigs des Hauses Nassau. Über der Stadt thront das Dillenburger Schloss, Hauptresidenz der Grafen von Nassau-Dillenburg, und zeugt von dieser Vergangenheit. Wilhelm von Nassau-Dillenburg (1533 - 1584) spielte eine herausragende Rolle im achtzigjährigen Niederländisch-Spanischen Befreiungskrieg und wurde Stadthalter der 7 abtrünnigen calvinistischen Provinzen der Utrechter Union, die 1581 ihre formale Unabhängigkeit von Spanien als Republik erklärten, aus der später die Niederlande hervorging. In den Niederlanden gilt Wilhelm als Vater des Vaterlandes. Die niederländische Nationalhymne Het Wilhelmus verehrt Wilhelm in der Gegenwart.

Das Niederlänische Königshaus Oranje ist mehrfach mit der Geschichte der Oranier und der Geschichte Dillenburgs verwoben. Wilhelm von Nassau-Dillenburg ist jedoch nicht zu verwechseln mit Wilhelm I. der Niederlande (1772 - 1843), der ebenfalls von einer Linie des Adelsgeschlechts der Oranier abstammt. Auf Beschluss des Wiener Kongresses wurde Wilhelm I. 1814 zunächst als Fürst der Niederlande inthronisiert und 1815 zum König der neu konstituierten Vereinigten Niederlande ernannt.

Der historische Ortskern von Dillenburg bewahrt Spuren einer älteren Geschichte, die sich Besuchern mit dem Dillenburger Schloss und den Kasematten unter dem Schloss präsentiert. Zahlreiche Fachwerkgebäude, die sich um hübsche Plätze gruppieren, zeugen von einer jüngeren Geschichte. Im 19. Jahrhundert erlebte die Region mit der industriellen Revolution einen Aufschwung durch Erzabbau und Metallverarbeitung. Diese Industriezweige sind inzwischen eingestellt. In der Gegenwart wirkt Dillenburg verarmt und teilweise auch verwahrlost. In der verkehrsberuhigten historischen Altstadt dominieren Ramschläden und Leerstände. Historische Fachwerkgebäude sind nicht so sorgfältig restauriert und gepflegt wie in Brilon. Der Bahnhof von Dillenburg verfällt. Die Parkanlage des Hofgartens ist vor allem ein Hundeklo. Das Dillenburger Rothaarsteigportal fällt so bescheiden aus, dass wir es erst auf Nachfrage am Empfang des Hotels finden konnten und die Dame am Empfang das Portal als Peinlichkeit beschrieb.      


19.07.2020: 7. Etappe von der Lahnquelle auf dem Kammweg nach Irmgarteichen (ca. 18,4 km, 4:25/4:40 Std.) - Fotoserie
Grenzgänger auf dem Rothaarsteig IrmgarteichenÜberquerung des Ilsebachs

Die 7. Etappe des Rothaarsteigs startet an der Lahnquelle und führt lt. Beschreibung nach Wilgersdorf. In Wilgersdorf gab es keine Unterkunft. Wir müssen nach Irmgarteichen (ein Ortsteil von Netphen) ausweichen, wodurch die heutige Etappe kürzer und die morgige Schlussetappe länger ausfällt. Am Wanderparkplatz Hainicher Höhe besteht die Option eines Transfers per Auto zum Gasthof Jokebes. Aber nach 12 km (ca. 3 Std. Wanderung) empfinden wir die Option als albern, zumal wir heute gutes Wanderwetter genießen und die Route interessant ist. Zu Fuß würden wir den Gasthof ab der Hainicher Höhe in 2,5 km erreichen. Unser Wandervergnügen verlängern wir um 4 km bis zur Gernsbacher Höhe und steigen von dort nach Irmgarteichen ab.

Die Etappe bereichert unsere 'Quellensammlung' um die Ilsequelle und die Dillquelle (Zuflüsse der Lahn). Historisch bedeutend ist die gefasste Heilige Ilsequelle, die im Mittelalter zu den bekanntesten Heilquellen Mitteleuropas zählte.(12) Der Kammweg verläuft auf der Grenze zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen, ehemals Grenze historischer politischer Vorläufer, von denen zahlreiche Grenzsteine zeugen. Wie schon gestern, nutzt die Wanderroute Abschnitte mit mittelalterlichen Steinpflastern der historischen Eisenstraße.

Im Rothaargebirge beeinträchtigen das Wandervergnügen auch heute wieder großflächige Waldschäden von Nadelbaumbeständen, die teilweise 2007 der Orkan Kyrill verursachte, die aber auch auf Trockenheit und Schädlingsbefall zurückzuführen sind und in Summe vermutlich der Bepflanzung mit Monokulturen in Verbindung mit dem Klimawandel geschuldet sind. Die Beseitigung dieser Schäden mit Schwerfahrzeugen verwüstet Wanderwege, die glücklicherweise heute trocken liegen, aber trotzdem nur schwer zu begehen sind. Nach 3,5 Std. Wanderung bietet sich an der Dillquelle ein Picknickplatz für eine Rast an.

Am Etappenziel Irmgarteichen fühlen wir uns im Dorfgasthof Jokebes willkommen. Der Gasthof bildet offenbar ein soziales Zentrum des Dorfs und wird dieser Rolle gerecht. Die Familie der Besitzer führt den Gasthof in 13. Generation. Die Senior-Chefin begrüßt uns namentlich mit persönlichen Worten und kündigt für den Abend die Anwesenheit ihres Manns an, der uns später beim Abendessen freundlich begrüßt. Das zugewiesene Zimmer ist wohnlich eingerichtet und verfügt über ein geräumiges modernes Bad. Die Küche lässt die Kirche im Dorf, zeugt aber von Qualitätsbewusstsein. Die Internetverbindung funktioniert tadellos. Frühstück wird werktags ab 7:00 Uhr serviert. Von dieser Option werden wir im Hinblick auf die morgen längere Schlussetappe Gebrauch machen.


18.07.2020: Quellen, Täler, Auf und Ab: 6. Etappe von der Ginsberger Heide zur Lahnquelle (ca. 18 km, 4:30/4:50 Std.) - Fotoserie
Siegquelle Lahnquelle Morgenaussicht am Hotel Ginsberger Heide

Kurz nach dem Aufbruch von der Ginsberger Heide führt ein kurzer Abstecher zum 15 m hohen Gillerturm, ein Aussichtsturm auf dem Berg Giller, 653,7 m. Im weiteren Verlauf folgt die 6. Etappe ungefähr der historischen Eisenstraße keltischen Ursprungs, auf der bis im Hochmittelalter Handel mit Eisenwaren zwischen Köln und Leipzig abgewickelt wurde.

Unsere Wanderroute quert mehrere Täler, in denen wir jeweils Quellen passieren: Ederquelle, Ilmquelle (nicht zu verwechseln mit der Ilm in Thüringen), Siegquelle sowie zuletzt Lahnquelle in Lahnhof (ein Ortsteil der Stadt Netphen), an der unser Etappenziel liegt, das Forsthaus Lahnquelle. Kurz vor der Ederquelle passieren wir die 100 km-Marke des Rothaarsteigs. Mit 18 km ist die Länge der Etappe überschaubar, aber jedes zu querende Tal erfordert einen Abstieg und einen Aufstieg, sodass wir in Summe etliche Höhenmeter sammeln. Nach 4,5 Std. Wanderung (brutto 4:50 Std.) spüren wir bei der Ankunft am Etappenziel deutlich die Höhenmeter in den Beinen.

Unsere Erfahrungen im Forsthaus Lahnquelle sind zwiespältig. Positiv hervorzuheben sind die engagierte Küche, eine ordentliche Weinkarte, die ansprechende Gestaltung der Restauranträume und des Außenbereichs sowie ein herausragendes Frühstücksangebot. Keine Freude bereitet die Unterbringung in einem Dachgeschosszimmer. Mit Raumverhältnissen wie in einer Schiffskajüte kommen wir für eine Nacht zurecht. Unzumutbar ist jedoch ein an der Außenwand verlaufender externer Dunstabzug der Küche, der bis 21:00 Uhr Geräuschbelästigung und Vibrationen ähnlich wie auf einer Hochseefähren verbreitet und jeden Schlaf verhindert. Dass das Forsthaus in einem Funkloch liegt und kein Netz zur Verfügung steht, ist nicht dem Hotel anzulasten. Dass WLAN-Empfang nur im Erdgeschoss brauchbar ist, ließe sich ändern.


17.07.2020: Regenerative Kurzetappe Rhein-Weser-Turm - Hotel Ginsberger Heide (ca. 16,3 km, 4:05/4:35 Std.) - Fotoserie
Berghotel am Rhein-Weser-Turm Dreiherrenstein Nassau, Westfalen, Kurköln Bergfried (Rekonstruktion) an der Ruine Ginsburg

Nach einem liebevoll vorbereiteten Frühstück treten wir zur kurzen 5. Etappe an, auf der das Wetter einen Beitrag zur Regenierung leistet. Schwerere Etappen liegen hinter uns und schwierigere Wetter hoffentlich ebenfalls. Eine Mischung von Sonne und Wolken begleitet unsere Wanderung. Wege der attraktiven Route zeugen von Regenfällen der beiden vergangenen Tage. Die Route stellt an Wanderer keine besonderen Anforderungen. Wir können uns ganz dem Genuss der einsamen Strecke hingeben, die u.a. durch das Naturschutzgebiet des Schwarzbachtals führt.

Nach 8 km passieren wir einen Dreiherrenstein, ehemals Treffpunkt der Landesgrenzen von Nassau, Westfalen und Kurköln. Nach 2,5-stündiger Wanderung (11 km) rasten wir an der Schutzhütte Helberhauser Höhe. Unser Etappenquartier in der Ginsberger Heide könnten wir in ca. 3 km Entfernung um kurz nach 12:00 Uhr erreichen, aber heute ziehen wir einen Umweg vor, der über die Ruine Ginsburg führt. Beeindruckender als die Ruine oder deren rekonstruierter Bergfried ist die lange, wechselvolle Geschichte der Burganlage. Besondere Bedeutung erlangte die Ginsburg durch Wilhelm I. von Oranien-Nassau, der 1572 von hier aufbrach, um entscheidend im Achtzigjährigen Spanisch-Niederländischen-Krieg einzugreifen. 7 calvinistische Provinzen der Utrechter Union erkämpften ihre Unabhängigkeit und bildeten als Republik der Sieben Vereinigten Provinzen einen Vorläufer des heutigen niederländischen Staates. Dass dem erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg der niederländischen Provinzen eine Epoche imperialistischer kolonialer Ausbreitung mit allen typischen Begleiterscheinungen folgte, ist ein überzeugend belegter Sachverhalt.(10,11) In der Neuzeit fand am 6. Mai 2001 auf der Ginsburg die offizielle Eröffnung des Rothaarsteigs statt.

Unterhalb der Ginsburg rasten wir an der Ginsburgstube mit Kaffee (dünn) sowie Apfel- und Käsekuchen (beide gut). Anschließend erreichen wir nach kurzem Spaziergang um 13:30 Uhr das Hotel Ginsberger Heide, indem wir sogleich ein Zimmer beziehen können. Dank guter Internetverbindung kann sogleich die Bearbeitung des Wandertagebuchs beginnen. Am Abend sind Rückstände abgebaut.


16.07.2020: Schlüsseletappe Schanze - Rhein-Weser-Turm: Rainy Day, Dream Away (ca. 21 km, 5:00/5:10 Std.) - Fotoserie
Skulptur von Heinrach Brummack: Der Krummstab Rhein-Weser-TurmWanderfee auf der Hängebrücke Kühhude auf dem Waldskulpturenweg

Für die heutige 4. Etappe ist ganztägig Regen vorhergesagt. Am Morgen geht der Song Rainy Day, Dream Away des 'Gitarrengotts' Jimi Hendrix aus dessen Doppelalbum Electric Ladyland (1968) durch den Kopf. Der Song ist kein Highlight des Albums, aber als Schüler habe ich das Album fast täglich gehört und kannte jeden Takt, von denen sich noch immer viele aus der Erinnerung abrufen lassen. In Anbetracht des Wetters fragen wir uns: Nehmen wir ab Schanze die Kammvariante oder die Talvariante? Da wir ohnehin von Fleckenberg mit dem Wanderbus aufbrechen, besteht eine weitere Option: Wanderbus bis Jagdhaus und ab dort eine Kurzetappe über 10 km zum Etappenziel Rhein-Weser-Turm, dessen Berghotel unser nächstes Quartier ist.

Trotz Regen entscheiden wir uns für die interessantere Kammvariante und lassen uns vom Wanderbus nach Schanze transportieren. Im Raum Schanze verläuft unsere Wanderstrecke einige Kilometer parallel zum WaldSkulpturenWeg. Von internationalen Künstlern geschaffene Objekte des Kunstwanderwegs reflektieren die wechselvolle Kulturhistorie des Sauerlands, die von Konflikten zwischen dem protestantischen märkischen Sauerland und dem katholischen kurkölnischen Sauerland geprägt ist, auf die wir schon gestern in Fleckenberg aufmerksam wurden.   
   
Nach ca. 13 km Wanderung besteht im Raum Jagdhaus die Chance, einer frei lebenden ausgewilderten Wisentherde zu begegnen, aber daraus wird nichts. Der anfangs noch schwache Regen hat sich inzwischen verstärkt. Wir wollen nur noch ankommen und nutzen in Jagdhaus die Option einer Abkürzung von 1,9 km. Aufgrund des Regens der beiden letzten Tage sind die Waldwege oft verschlammt oder stehen unter Wasser und lassen uns nur mühsam vorankommen. Trotz aller Vorsicht sind Schuhe und Socken durchnässt. Nach 3,5 Std. Wanderung rasten wir 10 Minuten in einer  Schutzhütte.

Um 15:10 Uhr erreichen wir endlich den Rhein-Weser-Turm im noch immer anhaltendem Regen, in dem wir in 5 Stunden 21 km zurückgelegt haben (5:10 Std. Gesamtzeit). Benannt ist der 1932 errichtete Rhein-Weser-Turm nach der auf dem Kamm verlaufenden Rhein-Weser-Wasserscheide. Frau Schwermer, die mit ihrem Mann Berghotel und Gastronomie betreibt, nimmt uns ausgesprochen freundlich und mitfühlend in Empfang und geleitet uns zum Zimmer im Berghotel. Unsere Erwartung einer sehr schlichten Unterkunft wird angenehm enttäuscht. Wir vermissen nichts, bis auf eine Internetverbindung, auf die wir heute verzichten müssen. Das schmackhafte Abendessen nehmen wir und einige weitere Wanderer in der Gaststube des Turms ein. Die Küche serviert zum überschaubaren Preis mächtige Portionen, die unser keineswegs kleiner Hunger nicht zu bewältigen vermag.

Am Ende des Tages wären wir mit der Welt und ihren Herausforderungen versöhnt, wenn es nicht ein 'Schlüsselproblem' gäbe. Während der Rast auf der Wanderung entdecken wir zwischen unserem Kram den Zimmerschlüssel der Unterkunft in Fleckenberg. Eine elegante Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Am Etappenziel rufen wir im Hotel an. Dort wird der Schlüssel am nächsten Tag benötigt. Nach Austausch des Sachverhalts vereinbaren wir ein weiteres Telefonat gegen 19:00 Uhr. In der Zwischenzeit sollen mögliche Optionen geprüft werden. Unser Problem besprechen wir mit Frau Schwermer, die sich spontan engagiert. Während wir beim Abendessen sitzen, spricht uns Herr Schwermer an, um mitzuteilen, dass er mit dem Hotelbesitzer in Fleckenberg die Hinterlegung des Schlüssels in einem Nachbarort vereinbart habe. Ein nicht ganz einfacher Tag findet dank Hilfe der Familie Schwermer einen glücklichen Abschluss.


15.07.2020: 3. Etappe von Winterberg nach Schanze - The Times They Are a-Changin (ca. 19 km, 4:45/5:20 Std.) - Fotoserie
Wanderweg auf dem Gipfelplateau Kahler Asten Weiler Schanze (Schmallenberg)Wanderweg in Winterberg

Die 3. Etappe des Rothaarsteigs führt von Winterberg über den Kahlen Asten (842 m) nach Schanze, ein Ortsteil der Gemeinde Schmallenberg. Nach durchregneter Nacht setzt sich leichter Regen über den gesamten Vormittag fort und endet erst gegen 13:00 Uhr. Bis zum Mittag wandern wir in dichten Wolken. Auf dem Weg zum Gipfel des Kahlen Astens passieren wir über mehrere Kilometer von Schneekanonen flankierte Skipisten, eine Skisprungschanze, 2 Sommerrodelbahnen, ein Biathlonstadion und etliche Après-Ski-Party-Buden, in denen sich COVID-19-Viren bekanntlich besonders gerne verbreiten. Niemand benötigt diese Infrastruktur. Trotzdem besteht Bedarf. Solche Sachverhalte irritieren und stimmen nicht fröhlich. Aber damit ist es bald vorbei. Der Klimawandel beendet diesen Unsinn.

Nach der Strafrunde durch den Parcours dieser Einrichtungen steigt der Weg steil zum in Wolken gehüllten Gipfel des Kahlen Astens. Trotz Regen und Nebel zeigt sich auf dem Gipfelplateau eine reizvolle Heidelandschaft. Das Berghotel mit Astenturm weckt Erinnerungen an ein Winterwochende in der Jugendherberge Neuastenberg mit der Jugendgruppe unserer Pfarrgemeinde in den 1960er-Jahren. Das damals sonnige und bitter kalte Wetter wirkte auf uns fast arktisch. Auf dem Kahlen Asten lag eine mächtige Schneeschicht. Diese Zeiten sind vorbei. Schnee fällt immer weniger und für den Einsatz von Schneekanonen ist das Winterwetter im Sauerland oft zu mild.

Ab dem Kahlen Asten durchwandern wir eine attraktive Landschaft, die uns bei besserem Wetter in Hochstimmung versetzen würde. Im Höhendorf Langewiese besuchen wir nach 3 Stunden Regenwanderung für unsere Rast einen Tante-Emma-Laden mit Bäckerei und nehmen am einzigen Tisch Platz.

Die Wanderetappe endet im ansehnlichen Weiler Schanze auf 720 m Höhe, den wir nach fast 5-stündiger Wanderung erreichen. In der Region um Schanze lebt eine ausgewilderte Wisentherde mit etwa 25 Tieren, von denen wir jedoch keines sichten.(7) Mit uns trifft sonniges Wetter ein, das die Kleidung schnell trocknet und den Regen bald vergessen lässt. Unsere Unterkunft, das Landhotel Hubertus, liegt in fast 10 km Entfernung in Fleckenberg. Zwischen Schanze und Fleckenberg verkehrt 3x pro Tag ein Wanderbus. Bis zu dessen Abfahrt müssen wir in Schanze 2 Stunden Zeit vertreiben, die wir für eine Einkehr in der Almhütte Schanze nutzen.

Schild in FleckenbergIn Fleckenberg ist eine Tafel mit der Bezeichnung Der Wettbewerb aufgestellt, die den Ausgangs- und Endpunkt des WaldSkulpturenWegs zwischen Bad Berleburg und Schmallenberg bildet. Die Tafel macht auf eine traditionelle historische und mit rassistisch gefärbten Vorurteilen verbundene kulturelle Spaltung der Sauerländer Bevölkerung aufmerksam.(8) Die Region des Sauerlands setzt sich zusammen aus dem vom Katholizismus geprägten kurkölnischen Sauerland und dem ehemals zum Herzogtum Westfalen gehörenden protestantisch geprägten märkischen Sauerland der Grafschaft Mark. Vorurteile der Bevölkerung gehen zurück auf jahrhundertelange mittelalterliche Auseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen von Köln und den Grafen von Mark. In der frühindustriellen Expansionsphase der Neuzeit knüpfte das märkische Sauerland an vorindustrielle Gewerbetraditionen an. Entindustrialisierung und Agrarisierung ließen das kurkölnische Sauerland verarmen. Bis in der Gegenwart gilt im märkischen Sauerland die Region des ehemaligen kurkölnischen Sauerland als arm und rückständig.(9)

Im gediegenen Landhotel Hubertus ist die Zeit nicht angehalten, aber Uhren scheinen dort langsamer zu laufen. Der konservative Stil des Hauses vermittelt eine nicht unsympathische Atmosphäre vergangener Zeiten. Beim Eintreffen ist unser Reisegepäck bereits im Zimmer abgestellt. An der Zimmertür baumelt ein Pappherz mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen". Unser Zimmer ist komfortabel eingerichtet und das Bad hat offensichtlich jüngst eine Modernisierung erfahren. Der Stil des Hauses liegt nicht auf unserer Wellenlänge, aber wir fühlen uns aufgenommen und willkommen.


14.07.2020: 2. Etappe über Gipfel des Rothaargebirges von Willingen nach Winterberg (ca. 23 km, 6:00/6:35 Std.) - Fotoserie
Gipfel Clemensberg, 840 m Hochheide-Landschaft Bronzetafel am Richtplatz

Der Tag beginnt mit einem außergewöhnlich guten Frühstück im Waldhotel Willingen. Offiziell startet das Frühstück zwar um 8:00 Uhr, aber ab 7:40 Uhr können wir kommen, sagt uns die Chefin. Um 7:40 Uhr ist tatsächlich das volle Programm verfügbar. Um 8:30 Uhr steht der Chef bereit, um uns mit einem Kleinbus in Richtung Wanderstrecke bis ca. 1 km unter den Richtplatz zu transportieren, an dem wir auf den Rothaarsteig treffen. Der Service erspart uns 3-4 km Weg durch Willingen mit Abstieg und Anstieg.
 
Die 2. Etappe des Rothaarsteigs ist ein echtes Highlight, das uns mit allen Widrigkeiten der gestrigen Etappe versöhnt. Die Route verläuft durch attraktive, abwechslungsreiche Landschaften, an denen mehrere Sehenswürdigkeiten liegen sowie über mehrere Höhen des Rothaargebirges, deren Gipfel mehr als 800 m hoch sind und in Schottland als Corbetts eingeordnet würden. Der erste dieser Gipfel ist der mit einem Gipfelkreuz versehene Langenberg, mit 843 m Höhe höchster Berg in Nordrhein-Westfalen. Nur wenig niedriger ist der 840 m hohe Clemensberg, auf dem ebenfalls ein Gipfelkreuz angebracht ist. Dritter im Bunde ist der 805 m hohe Hillekopf auf dem Kamm der Rhein-Weser-Wasserscheide. Anschließend geht es weiter auf und ab. Unterhalb vom Hillekopf liegt das kleine Dorf Küstelberg, in dessen Bäckerei und Café Astenblick wir nach 3,5-stündiger Wanderung rasten.

Erwähnenswertes:
  • Auf dem Richtplatz unterhalb des Hoppernkopfs nahe Willingen wurden im Mittelalter Todesurteile des Kurkölner Gogerichts Medebach vollstreckt. Eine an einem Felsen angebrachte Bronzetafel erinnert an diese Historie.
  • Der Clemensberg grenzt an das Naturschutzgebiet Neuer Hagen, eine Heidelandschaft und ein Hochmoorgebiet mit seltener Fauna und Flora.
  • Ca. 3,5 km vor Winterberg passiert der Rothaarsteig die Ruhrquelle, eine unscheinbare Hangschuttquelle. Einige Meter unterhalb der Quelle fließt der Bach durch ein in den 1950er Jahren errichtetes Steinrondell, das Besucher mitunter irrtümlich als Ruhrquelle identifizieren.
  • Am Rand von Winterberg mündet der Rothaarsteig in den schroffen Brücken- und Schluchtenweg im Helletal, der noch einmal konzentriertes Gehen im profilierten Gelände erfordert.
Das Wetter spielt auch heute wieder mit. In den 3 letzten Stunden wandern wir zwar unter einer bedrohlichen dunklen Wolke, die jedoch friedlich bleibt und uns trockenen Fußes am Etappenziel ankommen lässt. Am Abend setzt Regen ein, der uns voraussichtlich in den beiden nächsten Tagen begleiten wird.

Hinsichtlich Tourismusindustrie war Willingen nur ein Vorgeschmack. Winterberg ist ein rundum mit Liftanlagen und Schneekanonen verbauter touristische Hotspot des Sauerlands. In dem uns abschreckenden Ort übernachten wir glücklicherweise nur einmal. Erfreulicher ist unsere Unterkunft, das komfortable, aber nur schwach belegte Hotel Nuhnetal. Die Küche des Hotels ist keine Glanznummer, aber akzeptabel. Schließlich unternehmen wir keine Gourmetreise, sondern eine Wanderreise. Das Frühstück findet unsere volle Zustimmung.


13.07.2020: 1. Etappe vom Waldhotel Klaholz bei Brilon nach Willingen mit Hindernissen (ca. 25 km, 6:35/7:00 Std.) - Fotoserie
Am Poppenberg bei Brilon Rothaarsteig bei SchusterknappBlick nach Brilon

Über das Wetter können wir heute nur Gutes berichten. Die Wanderung der 1. Etappe des Rothaarsteigs läuft jedoch nicht wie gedacht. Zunächst freuen wir uns darüber, auf der langen Etappe die bereits gestern absolvierte Strecke von Brilon bis zum Waldhotel Klaholz eingespart zu haben. Das Verhängnis ereilt uns kurz nach der Möhnequelle.(6) Am Poppenberg fehlen an einem Wegkreuz Wandermarken, vielleicht sind sie auch überwachsen oder verblasst, jedenfalls sehen wir keine und müssen uns für eine Richtung entscheiden, die sich als Irrtum herausstellt. Nachdem wir einige Zeit ohne Orientierung durch das Gelände irren, treffen wir in Gudenhagen auf einen Anwohner, den wir nach dem Weg zum Rothaarsteig fragen, worauf wir eine recht präzise Auskunft erhalten. Erst nach einer geraumen Wanderstrecke wird uns klar, dass der Gefragte uns in eine völlig falsche Richtung geschickt hat. Mit einer großen Schleife treffen wir bei Petersborn endlich wieder auf den Rothaarsteig. Entfernungsangaben auf Wegweisern machten deutlich, dass wir mehr als 5 km bzw. ca. 1,5 Stunden verloren haben.

Eine Neukalkulation ergibt, dass wir auf dem Rothaarsteig bis zum Ziel in Willingen insgesamt ca. 30 km in mehr als 8 Stunden reiner Gehzeit zurücklegen müssten. Auf der 1. Etappe gleich soviele Körner zu verbrauchen, halten wir für keine gute Idee. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wanderweg zwischen Borberg und Schusterknapp aufgrund von Schwerfahrzeugen für Forstarbeiten völlig ramponiert ist, weil die Beseitigung der vom Orkan Kyrill 2007 verursachten Waldschäden noch in Bearbeitung ist. Die Sitatuation macht nicht nur das Gelände unansehnlich und die Wanderung mühsam, sondern sie bremst auch das Gehtempo.

Wir entscheiden uns für eine Abkürzung und steigen am Schusterknapp nach Brilon-Wald ab. Anschließend folgen wir einem eintönigen Talweg entlang der Bahnlinie bis Willingen. Unterwegs gelangen wir von NRW nach Hessen. Willingen ist eine Wintersportregion mit zahlreichen Liftanlagen. Im Sommer lassen sich Mountainbiker via Liftanlagen auf Hügel der Umgebung transportieren, um sich Downhill von Hügeln zu stürzen. Eine Sommerrodelbahn und eine ganzjährig betriebene Kletterhalle ergänzen das Bespaßungsangebot. Unsere Welt ist das nicht.

Nach 6:35 Std. Wanderzeit (7:00 Std. brutto) kommen wir im gepflegten Waldhotel Willingen an. Das Hotel liegt mit schöner Aussicht etwas oberhalb der Ortschaft und lässt Orientierungsprobleme schnell vergessen. Unser Zimmer mit Balkon ist komfortabel eingerichtet. Service und Küche zeigen sich bemüht. Mit unserem Dinner sind wir völlig einverstanden. Der Ruf des Sauerlandes als niederlänische Provinz bestätigt sich. Ca. 1/3 der Gäste sind Niederländer. Die Speisekarte wird diesem Sachverhalt gerecht und weist ihr Angebot in deutsch und niederländisch aus.


12.07.2020: Auftakt des Rothaarsteigs mit einer Kurzwanderung nach Brilon - Fotoserie
Brilon Markt Café am Markt und Jägerhof in Brilon Aussicht vom Zimmerbalkon im Hotel Klaholz

Gegen 14:00 Uhr erreichen wir Brilon mit dem Zug. Die Inhaberin des Waldhotels Klaholz holt uns mit dem Auto vom Bahnhof ab. Das Hotel befindet sich etwas außerhalb des Ortes in sehr schöner Lage mit weiten Ausblicken in die Landschaft. Unser Zimmer ist geräumig. Hotel und Zimmereinrichtung haben jedoch die besten Jahre hinter sich. Das Restaurant des Hotels ist geschlossen, aber wir wollen ohnehin eine Kurzwanderung nach Brilon unternehmen und dort das Abendessen einnehmen.

Der Fußweg nach Brilon ist über ca. 2,5 km als Rothaarsteig markiert. Diesen Abschnitt können wir auf der morgen längeren Etappe abkürzen. Brilon, eine Stadt mit ca. 25.000 Einwohnern auf der Briloner Hochfläche im östlichen Sauerland, enthält einen sehenswerten historischen Ortskern mit repräsentativen Gebäuden und etlichen aufwendig restaurierten Fachwerkhäusern. Zahlreiche Baudenkmäler der Kernstadt zeugen von der historischen Bedeutung einer ehemaligen Hansestadt des Herzogtums Westfalen. Das Zentrum des Ortskerns gruppiert sich um einen bereits im Mittelalter bestehenden Markplatz mit einem Marktbrunnen des 14. Jahrhunderts. Das Rathaus am Marktplatz wurde um 1250 errichtet und gilt als eines der ältesten Deutschlands. Im Haus Feldkamp wird das Café am Markt betrieben, das wir vor unserem Stadrundgang besuchen. Im Jägerhof des Nachbargebäudes nehmen wir das Abendessen ein. Beide Einrichtungen stellen uns zufrieden.


Anmerkungen
  1. Im Zeitraum 22.-28.06.2020 bringt uns eine Streckenwanderung auf dem Rennsteig über 170 km von Hörschel nach Blankenstein auf den Geschmack und motiviert spontan zur Erprobung neuer Erfahrungen auf dem Rothaarsteig. - Post Rennsteigwanderung  
  2. Das Sauerland ist so etwas wie die 'Schweiz der Niederländer'. Niederländer stellen einen hohen Anteil aller Touristen, was auch viele Speisekarten berücksichtigen
  3. Woher kommt die Bezeichnung Sauerland?
    Der Ursprung des Landschaftsnamens Sauerland reicht in vorterritoriale Zeit zurück; er ist vermutlich im 12. Jahrhundert aufgekommen. Im Spätmittelalter bezeichnete er die Landstriche südlich und nördlich der mittleren und unteren Lenne, in der frühen Neuzeit dehnte er sich auf das südwestfälische Gebirgsland südlich der Haar und des Hellwegs aus; ausgeschlossen waren das Sieger- und das Wittgensteiner Land. Territorial war das Gebiet in die protestantische Grafschaft Mark und das katholische Herzogtum Westfalen gespalten; beide Herrschaften umfassten auch Gebiete außerhalb des Sauerlands. Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt Westfalen, und hier insbesondere das Sauerland, zunehmend einen schlechten Ruf. Vor allem das kurkölnische Sauerland galt als rückständig und arm. (Wikipedia: Sauerland)
  4. Der Name des Gebirges leitet sich weder von der Farbe „Rot“ noch von „Haaren“ ab, sondern von „Rod-Hardt-Gebirge“ ab, was in etwa „Gerodetes Wald-Gebirge“ bedeutet. (Wikipedia: Rothaargebirge)
  5. Der Rothaarsteig ist im Portal Rothaarsteig mit einer Länge von ca. 155 km sowie mit mehr als 3.000 m Anstieg und mehr als 3.200 m Abstieg angegeben. Je nach Quelle variieren Informationen über die Streckenlänge sowie über Höhendifferenzen und reichen bis 160 km Strecke und 4.000 m Höhendifferenz. Wie auch immer, in der Paxis erfordern Wege zu und von Unterkünften an Etappenzielen einige zusätzliche Kilometer Distanz und Höhenmeter Differenz.  
  6. Ob es sich um die Quelle der Möhne oder der Hunderbecke handelt, ist strittig. Wikipedia: Streit um die Möhneqelle
  7. Wikipedia: Wisent-Wildnis am Rothaarsteig  
  8. Homepage: WaldSkulpturenWeg
  9. Hackordnungen sind keine Spezialität des Sauerlands und keineswegs ungewöhnlich sowie nicht nur bei Tieren üblich. Intensiv wissenschaftlich untersucht wurden Dominanzordnungen insbesondere bei Hühnern, weshalb sich der Begriff Hackordnung für gruppeninterne Rangordnungen verbreitet hat. Menschliche soziale Kollektive entwickeln ebenfalls tendenziell Dominanzordnungen einer sozialen Hierarchie, die die Verteilung von Rechten, Pflichten und Privilegien regeln, Status und Ansehen verteilen, Machtstrukturen festlegen.    
    Spannend ist die Frage, ob Krisensituationen, die einvernehmlich entschlossenes kollektives Handeln erfordern, von dominanten Persönlichkeiten erfolgreich zu managen sind. Aufschluss über diese Frage bietet Trumps Schicksals in der bevorstehenden Präsidentenwahl.
  10. Vgl.: Wolfgang Reinhard: Die Unterwerfung der Welt. Globalgeschichte der europäischen Expansion 1415 - 2015
  11. Rezension H-Soz-Kult: Felix Brahm, German Historical Institute London: W. Reinhard: Unterwerfung der Welt
  12. Quellheiligtümer sind vermutlich Relikte keltischer Kultur, die auch noch in der Gegenwart erhalten sind (u.a. in der Bretagne und in Galicien zu finden) und ehemals in der Region des Siegerlands verbreitet war.
  13. Fazit der Wanderung:
    • Hat sich die Wanderung gelohnt?
      • Unbedingt! Wir wandern nicht nur zwischen Bäumen und Aussichtspunkten, sondern auch durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit interessanter Kulturgeschichte, wechselnden Streckenanforderungen und gastfreundlichen Unterkünften. Das oft unberechenbare Wetter lässt sich nicht planen. Man muss es nehmen, wie es kommt. Intensive Wandererlebnisse dieser Art vermitteln nur Fernwanderwege, auf denen der Alltag mental weit entfernt ist. 
    • Hat die Reiseagentur Kleins Wanderreisen einen guten Job gemacht?
      • Grundsätzlich sind wir mit der Organisation der Etappen und den Unterkünften zufrieden und an einigen Tagen auch begeistert. Soweit Unterkünfte klassifiziert sind, gehören sie zur Kategorie von 3 Sternen. Küchenleistung waren o.k. bis gut. Das Frühstück war immer reichhaltig und abwechslungsreich. Für Streckenverpflegung wurde teilweise nichts oder bis zu 2 € pro belegtem Brot/Brötchen berechnet. In 3 Unterkünften bestand keine brauchbare Internetverbindung. 
      • Der Zuschnitt der Etappen orientiert sich am Rothaarsteigportal. Aufgrund der Corona-Krise und unserer kurzfristigen Buchung mussten Etappenziele teilweise verändert werden, was wir jedoch nicht als Mangel betrachten. Der Gepäcktransport zwischen den Unterkünften funktionierte tadellos. Die ausgehändigten Unterlagen zur Etappenplanung hätten wir uns systematischer und aussagekräftiger gewünscht. 
    • Wie schwierig ist die Orientierung auf dem Rothaarsteig?
      • Prinzipiell ist die Orientierung aufgrund durchgehender Markierung und zusätzlicher Wegweiser problemlos. Von einem als Top-Trail zertifizierten Fernwanderweg darf man das erwarten. In einigen Abschnitten sind jedoch Markierungen stark verblasst bzw. schon länger nicht mehr erneuert worden. Hier besteht das Risiko des Verlaufens, das wir 2x erlebt haben.  
    • Wie anspruchsvoll ist die Wanderung auf dem Rothaarsteig?
      • Fernwanderwege in Mittelgebirgen, auf denen bei unterschiedlichen Wetterlagen täglich Etappen zurückgelegt werden, erfordern eine sportliche Basis mit solider Kondition für bis zu 7-stündige Wanderungen im profilierten Gelände, geeignete Ausrüstung und mentale Stärke, ohne deren Hilfe auftretende Tiefs schwer zu überwinden sind. Wege des Rothaarsteigs werden gepflegt, aber sie sind nicht barrierefrei. Technische Anforderungen stellen sie kaum.
    • Wie sind COVID-19-Risiken auf dem Rothaarsteig einzuschätzen und wie werden Hygiene- und Abstandsregeln beachtet?
      • In der Landschaft haben COVID-19-Risiken eher marginale Bedeutung. Auf dem Rothaarsteig sind ohnehin nur wenige Wanderer und Radfahrer unterwegs. Oftmals begegnen uns über mehrere Stunden keine Menschen.
      • Besuchte Einkehrgastronomien und Unterkünfte beachten vorgegebene Hygiene- und Abstandsregeln. Bei der Organisation des Frühstücks berücksichten Unterkünfte Corona-Regeln in unterschiedlicher Qualität.
        • In einigen Unterkünften müssen Listen mit gewünschten Frühstückszutaten ausgefüllt werden. Am Morgen werden gewählte Angebote in kleinen Portionen abgepackt am Tisch serviert.
        • Andere Unterkünfte servieren Frühstück in Buffetform und stellen tischweise separate Vorlegebestecke bereit.
        • Nur wenige Unterkünfte verzichten auf besondere Vorkehrungen am Frühstücksbuffet.
        • Manchmal stehen Salz- und Pfefferstreuer auf dem Tisch. In anderen Häusern müssen sie angefordert werden.
        • Tische werden grundsätzlich zugewiesen. Verlassene Tisch werden gereinigt und anscheinend auch desinfiziert.   
    • Wie sind COVID-19-Risiken auf der Reise einzuschätzen?
      • In Bahnhöfen trafen wir auf wenig Publikumsverkehr. Züge unserer Bahnfahrten waren nur schwach besetzt, sodass Abstandsregeln problemlos einzuhalten waren. Alle Fahrgäste hielten sich an die Maskenpflicht. Über weitere Hygienemaßnahmen in Bahnhofen und Zügen konnten wir uns kein Bild machen.
      • Im öffentlichen Nahverkehr der Kölner Verkehrsbetriebe waren ebenfalls relativ wenige Fahrgäste unterwegs, sodass Abstände gewahrt werden konnten. Alle Fahrgäste hielten sich an die Maskenpflicht. Über weitere Hygienemaßnahmen in Bussen und Bahnen konnten wir uns kein Bild machen.

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