Samstag, 20. Juni 2026

Wanderung zur Geschichte und zu Geheimnissen der Gesteine im Felsenmeer bei Lautertal (Odenwald)

Weg bom Informationszentrum Geopark Felsenmeer zum Hauptfelsenstrom am Felsberg Picknickplatz am Hauptfelsenstrom Blöcke aus Quarzdiorit im Hauptfelsenstrom
 
Seit 2002 ist der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald UNESCO Geopark und seit 2004 europäischer und globaler Geopark. Die Entstehung des Geoparks resultiert aus dem Zusammenwirken zahlreicher Kräfte, bei der Kontinentaldrift und Plattentektonik Hauptrollen spielen. Während über die Kontinentaldrift wissenschaftlicher Konsens besteht, werden Ursachen antreibender Kräfte der Plattentektonik bis heute strittig diskutiert. Highlight des Geoparks sind aus rundlichen Gesteinsblöcken bestehende Felsenmeere an einem Berghang des Felsbergs oberhalb von Lautertal-Reichenbach. Im zweiten bis vierten Jahrhundert nutzten Römer diese Felsenmeere als Steinbruch für Steingewinnung. Mehr als 300 Werkstücke weisen Spuren römischer Steinbearbeitung auf (römische Steinbearbeitung). Mit Aufmerksamkeit sind an Wanderwegen mehrere unfertige und beschädigte Werkstücke der Römerzeit zu sehen. - Fotoserie
 
 
Zu Felsenmeeren des Geoparks bieten sich 3 Zugänge an.
  • Am unteren Ende des Haupt-Felsenstroms befindet sich das Felsenmeer-Informationszentrum mit einem großen Besucherparkplatz (5 €), an dem Wanderwege den Hang hinauf führen.
  • Am oberen Zugang des Haupt-Felsenstroms führen von einem kostenlosen Parkplatz Wanderwege den Hang hinab. 
  • Dazwischen liegt beim Dorf Beedenkirchen der kostenlose Parkplatz Römersteine, von dem mehrere Wanderwege mit nur moderaten Profilen zum Hauptstrom des Felsenmeers in ca. 1 km bis 1,5 km Entfernung führen. Hier beginnen wir unsere Exkursion auf dem Rundweg 4 (Bockshöhenweg). 
 
Tafel mit Wegenetz am Parkplatz Römersteine Von Römern bearbeitete Werkstücke am Parkplatz Lehrtafel am Bockshöhenweg Wegweiser am Parkplatz Römersteine Von Römern bearbeitete Werkstücke am Bockshöhenweg Kleiner Felsenstrom am Bockshöhenweg im Buchenwald Hauptfelsenstrom am Felsberg Von Römern bearbeitete Werkstücke am Bockshöhenweg Kleiner Felsenstrom am Bockshöhenweg im Buchenwald Von römischen Steinmetzen in den Fels gemeißelte Keiltaschen
 
Nach ca. 30 Minuten schattiger Wanderung durch Buchenwald erreichen wir den Hauptfelsenstrom, an dem eine Schutzhütte Gelegenheit zu einer Rast mit Picknick bietet. 
 
Informationszentrum Geopark Felsenmeer Von Römern bearbeiteter Werkstein, 3. Jh. Nachbau einer römischen Pendelsäge, 3. Jh.
 
Auf dem Rückweg halten wir kurz am Felsenmeer-Informationszentrum, ohne die Ausstellung zu besuchen (Museums-Flyer Felsenmeer-Informationszentrum). Im Gelände sind weitere römische Werkstücke und das Modell einer römischen Steinsäge zu besichtigen. 
 
 
Entstehung des Felsenmeers 
 
Menschliche Kulturgeschichte beschränkt sich auf ein relativ kleines Zeitfenster, das an der Oberfläche der Erdgeschichte nur kratzt und sich bald im Nebel von Urgeschichte verliert. Sehr viel weiter zurück in Erdgeschichte reicht Geologie, die Geschichte und Geheimnisse von Zusammensetzungen, Gefügen und Strukturen der Gesteine analysiert, entschlüsselt und klassifiziert. Erklärungen der Entstehung des Felsenmeers reichen in der Erdgeschichte weit zurück.
  • Vor 380 bis 340 Millionen Jahren verschmolzen die Urkontinente Laurussia und Gondwana zum Superkontinent Pangaea. Bei der Kollision kam es zu starken Verfaltungen und zu Gebirgsbildungen. Der heutige Odenwald war zu dieser Zeit mehrere Kilometer hoch und wurde in nachfolgenden Jahrmillionen durch Erosion bis auf einen Rumpf abgetragen.
  • Vor ca. 230 Millionen begann Pangaea auseinanderzubrechen und löste sich sukzessive in die heute existierenden Kontinente auf. Im Bereich des heutigen Odenwalds lagerten sich in 12 bis 15 km Tiefe kristalline Gesteine ab. 
  • Für geologische Laien sehen Felsblöcke des Felsenmeers wie Granit aus, aber es ist kein Granit, sondern aus Honrblende (Calcium-Amphibole), Dunkelglimmer (Biotit) bestehender Diorit. Granit und Diorit sind Tiefengesteine, die sich unterschiedlich zusammensetzen. Granit besteht hauptsächlich aus Quarz, Kalifeldspat und Hellglimmer (Biotit). Diorit besteht zu einem großen Teil aus Feldspat (Plagioklas) und dunklen Mineralien wie Hornblende oder Pyroxen. Diorit ist feinkörniger und dunkler als Granit. (GeoWiki LMU: Gesteine)
  • Durch Dehnungskräfte tektonischer Bewegungen entstand vor ca. 50 Millionen der Oberrheingraben. An der westlichen Grabenschulter hoben sich Pfälzerwald und Vogesen sowie an der östlichen Grabenschulter Odenwald und Schwarzwald an. Das Einbrechen des Rheingrabens unterstützte das Aufsteigen des Diorit-Intrusivgesteins an die Oberfläche.
  • An der Oberfläche ist Quarzdiorit der Verwitterung ausgesetzt. Ihre rundliche Form als Wollsäcke erhielten Blöcke von Quarzdiorit durch Verwitterung. Saurer Niederschlag zersetzte Gesteinsminerale zerklüfteter Felsblöcke, sodass rundlich geformte Gesteinskerne entstanden.
  • In Kaltzeiten (Eiszeit) begannen vor ca. 2,6 Millionen Jahren Gesteinsblöcke auf Permafrostböden langsam hangabwärts zu gleiten und sammelten sich auf einer Länge von ca. 2 km in Rinnen und Mulden als Felsenmeer
Einen Kurz-Überblick bietet der Flyer Felsenmeer Informationszentrum. Die geologische Entstehungsgeschichte des Felsenmeers beschreiben mehrere Webseiten ausführlicher als dieser Post:

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