Freitag, 25. April 2014

Wanderung im nördlichen Darß von Prerow nach Born über den Darßer Ort

Karte des Darß
Blick auf den Darßer Ort von der Nordküste des Darß
Gestern sind wir bei trübem Wetter durch den südlichen Darß gewandert (Post vom 24.04.2014). Heute erwandern wir bei sonnigem Wetter den nördlichen Darß auf einem Rundkurs von Prerow nach Born. Die insgesamt ca. 35 km lange Strecke kürzen wir um ca. 10 km ab und fahren am Morgen mit dem öffentlichen Bus von Born nach Prerow. Nach einem kurzen Abstecher zur Seebrücke von Prerow gehen wir entlang der Nordküste zur nördlichen Landzunge der Halbinsel, dem Darßer Ort im Kerngebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Ein grandioser Wanderweg führt zum Leuchtturm Darßer Ort an der Westküste. Ab dem Leuchtturm durchqueren wir den Darßwald bis Wieck. Nach einer Rast am Nationalparkzentrum Darßer Arche verläuft unser Weg entlang des Bodstedter Boddens an der Halbinsel Bliesenrade vorbei zurück nach Born. Diashow der Fotoserie


Prerower Strom
Auf dem Weg vom Ortszentrum in Prerow zur Nordküste überqueren wir den Prerower Strom, der bis 1872 eine Verbindung zwischen Ostsee und Bodstedter Bodden herstellte. Die verheerende Sturmflut im Jahr 1872 ließ den Strom versanden, der anschließend in Richtung Ostsee vollständig verschlossen wurde und damit die Insel Zingst per Landbrücke mit der Halbinsel verband.










Seebrücke von Prerow
Von der 395 m langen Seebrücke in Prerow überschauen wir einen weiten Abschnitt der Nordküste. Nach Osten ist der Zugang zum Strand in Richtung Zingst aktuell gesperrt. Nach Westen sind in Richtung Darßer Ort viele Strandspaziergänger unterwegs.











Nordküste mit Darßer Ort


Entlang der Wasserlinie folgen wir der Nordküste ca. 5 km nach Westen zum Darßer Ort, bei dem es sich nicht um eine Siedlung handelt, sondern um eine dynamische Landschaft mit Sandbänken, Dünengürteln, Mooren und Strandseen. Natürliche Kräfte und Prozesse modellieren die Landschaft am Darßer Ort. Sand, den das Meer an der Westküste wegspült, lagert die Strömung im Norden der Halbinsel ab.










Nothafen am Darßer Ort
Zur Zeit der DDR war der Darßer Ort militärisches Sperrgebiet mit einem kleinen Militärhafen, der in der Gegenwart als 'Nothafen' genutzt wird und ständig von Versandung bedroht ist. Für Bürger der DDR war das Gebiet Tabu. Sie hätten nämlich von hier nach Dänemark flüchten können.
Wenn politische Prominenz zur Jagd auf dem Darß anreiste, wohnte sie innerhalb des militärischen Arreals in inzwischen zurückgebauten Ferienbungalows.









Blick auf den Fukarek See am Darßer Ort
In der Gegenwart erschließt ein Rundweg zwischen 'Nothafen' und Leuchtturm Darßer Ort diesen jungen Teil der Halbinsel im Kerngebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Zwei Aussichtsplattformen ermöglichen einen tieferen Blick in das Vogelschutzgebiet des Flachwassers.   










 
Wanderweg am Dorßer Ort
Der Rundwanderweg führt teilweise auf Holzstegen durch Kiefernwald, Moorlandschaften mit Schilfgebieten und ausgedehnte Dünengebiete. Aussichtsplattformen auf zwei massiven Eichenbohlentürmen ermöglichen einen tieferen Blick in die Landschaft. Mit Geduld und guten Ferngläsern sind Schwarz- und Rotwild zu beobachten. Abhängig von Jahreszeiten zeigen sich in den vorgelagerten Strandseen seltene Zugvögel.









Westküste des Darß in der Umgebung des Leuchtturms
Leuchtturm Darßer Ort
Der großartige Dünenweg bringt uns zum westlichen Darß. Treibholz und Windflüchter erinnern an die nordamerikanische Pazifikküste.
Der 1849 in Betrieb genommene 35 m hohe Leuchtturm Darßer Ort ist der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm der deutschen Ostseeküste. Als beliebtes Ausflugsziel zieht der Leuchtturm viele Besucher an. Den rummeligen Leuchtturm-Tourismus meiden wir lieber und tauchen gleich in den Darßwald ein.




Erlenbruch im Darßwald
Typisch für den Darßwald sind sog. 'Erlenbrüche', Biotope sumpfigen Bruchwaldes. Touristisches Marketing bezeichnet diese Landschaft gerne, aber nicht wirklich korrekt, als 'Urwald'. Seit dem Mittelalter unterliegen die Wälder intensiver wirtschaftlich Nutzung durch Forstwirtschaft sowie als Weidewald durch Viehwirtschaft. In der DDR wurden Kiefern systematisch durch Harzen geschädigt und hohe Wilddichte schädigt den Wald zusätzlich durch Verbiss und Schälung. Erst mit der Gründung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft im Jahr 1990 wird die wirtschaftliche Nutzung im Kerngebiet des Nationalparks eingestellt. Eine Reduzierung des hohen Wildbestandes auf eine diesem sensiblen Naturraum angemessene Wildpopulation weiß eine starke Jägerlobby erfolgreich zu verhindern.




Darßwald
Nach Ansicht von Kritikern verhindert die hohe Wilddichte die Entwicklung eines größeren Artenreichtums dieser Naturlandschaft. Über Jahrhunderte war der Darß ein feudales Jagdrevier des Adels sowie hoher politischer und kirchlicher Machthaber. Während nationalsozialistische Größen ungehemmt auf dem Darß jagten, entwickelten Spitzenfunktionäre der DDR ein mit Sonderrechten abgesichertes geheimes Jagdwesen, um ihrem Jagdvergnügen weiter nachgehen zu können. Darßbewohner kommentierten den Jagdbetrieb mit den Worten "Die Tröge bleiben, es wechseln nur die Schweine", weiß Horst Stern in einem Artikel der ZEIT über die Vorpommersche Boddenlandschaft zu berichten.






Reffe (Riff) - "ehemaliges Meeresufer" im Darßwald
Im Kerngebiet des Darßwaldes treffen wir auf das 'ehemalige Meeresufer'. Mitten im Wald liegen als 'Reffe' (Riff) bezeichnete ehemalige Dünenzüge der inzwischen weiter nach Norden gewanderten Ostseeküste. Zwischen den 'Reffen' liegen 'Riegen', sumpfige Senken mit Biotopen von 'Erlenbrüchen'. Den Prozess der Entstehung dieser Landschaft beschreibt die Webseite '20 Jahre Nationalpark'









 
Streckenmarke im Darßwald
Auf der Fortsetzung unserer Wanderroute treffen wir auf die Wettkampfstrecke des Darß-(Halb-)Marathons. Da wir im Rahmen dieser Veranstaltung zu dem für Walker ausgeschriebenen Halbmarathon angemeldet sind, können wir uns auf der Wanderung mit Abschnitten der Wettkampfstrecke vertraut machen. 









 

Nationalparkzentrum Darßer Arche in Wieck
Ein Schlenker auf dem Rückweg führt uns zum Nationalparkzentrum Darßer Arche in Wieck. Das Informationszentrum ist organisatorisches Zentrum des übermorgen stattfindenen Darß-Marathons (Post des Berichts zur Veranstaltung vom 27.04.2014). Nach dem Empfang der Startunterlagen gönnen wir uns eine Rast im Café der Einrichtung und genießen auf der sonnigen Terrasse ausgezeichneten Kuchen und guten Kaffee.









Bodstedter Bodden am Bliesenrader Weg
Der letzte Abschnitt unserer Wanderroute verläuft von Wieck nach Born entlang des Bodstedter Boddens auf dem Bliesenrader Weg, den wir übermorgen noch einmal als Schlussabschnitt der Wettkampfstrecke gehen werden (Bericht zur Vernstaltung vom 27.04.2014). Nach fünfstündiger Wanderung (Gehzeit) endet eine großartige Wanderroute über ca. 25 km Strecke, die wir als Highlight der Region werten. Wir freuen uns bereits auf eine Wiederholung dieser Wanderung bei der Fortsetzung unserer Exkursionen im nächsten Jahr.      


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen